Die Kunst, einfach zu fühlen

Doppelte Emotionen – die Kunst, einfach zu fühlen

Im Laufe des Tages durchleben wir eine Reihe von Gefühlen. Direkt beim Aufstehen ist da bereits eine Laune, wir fühlen uns gut oder schlecht und schon wenige Minuten später kann die Welt anders aussehen. Wir erinnern uns entweder an etwas schönes oder schlimmes, das am Vortrag passiert ist, daran, dass wir gleich in ein Büro müssen, oder wir sind neben dem Menschen aufgewacht, den wir vielleicht gar nicht mehr lieben. Was auch immer es sein mag: nach der ersten Emotion folgt direkt ein Echo, eine zweite, die das erste Gefühl beurteilt. Natürlich steigt auch unser Geist direkt mit ein oder hat dieses Echo-Gefühl sogar ausgelöst und binnen von Sekunden hat sich die Welt wieder ein Stückchen verändert. Doch was wäre, wenn wir lernen würden, einfach zu fühlen?

Einfach fühlen

Heutzutage sind wir es gewohnt, dass unsere Smartphones immer intuitiver arbeiten und wir uns selbst in einem Komplex von Gefühlen und Gedanken verstricken. Wir erleben beispielsweise eine negative Situation: wir haben uns mit einem Menschen, den wir mögen, gestritten. Wut ist vielleicht das erste Gefühl, das wir wahrnehmen. Wir fühlen uns missverstanden. Dann beginnt der Geist zu rattern. Kurze Zeit später kommt vielleicht Scham dazu. Anstatt die Wut kurz da sein zu lassen, dämpfen wir sie, weil wir uns für sie schämen. Wir ziehen uns zurück, denn Scham ist ein unerträgliches Gefühl.
Unter Umständen folgen so viele Echos, dass wir gar nicht mehr wissen, was unsere erste Emotion war. Ach ja, Wut. Warum waren wir nochmal wütend?
Anstatt den ganzen Echos zu folgen, müssen wir beginnen, die roten Faden zu finden, der uns zu dem Ursprung unserer Gefühle führt. Denn um eine Situation zu lösen, müssen wir klar sehen. Sonst kauen wir auf einem Problem rum, das unser Geist geschaffen hat. Wir bekämpfen den Schnupfen, nicht die Bakterien.
Das bedeutet, dass wir lernen müssen, einfach zu fühlen. Wenn wir uns ertappen, unsere Gefühle zu beurteilen, ist es wichtig, inne zu halten.

Die Angst, unfair zu sein

Mir selbst ist aufgefallen, dass ich immer dann ein zweites Gefühl habe, wenn ich befürchte, unfair zu sein. Wenn ich mich zum Beispiel aus einer Situation zurückziehe, weil ich mich überfordert fühle oder merke, dass sie mir nicht gut tut. Anstatt dann dieses Gefühl präsent zu halten und ihm zu folgen, fühle ich mich schuldig. Warum mir die Situation nicht gut getan hat, kann ich dann gar nicht mehr sehen, weil ich in meiner Schuld gefangen bin. Schuldgefühle haben meistens auch noch ein eigenes Echo: die Angst, unfair gewesen zu sein. Wenn wir uns für uns entscheiden, wird es fälschlicher Weise oftmals damit gleichgesetzt, dass wir uns gegen jemanden entschieden haben. Dabei ging es nie um ein Kontra sondern um ein Pro, eine Reaktion der Fürsorge für sich selbst.
Denn selbst wenn wir einmal unfair waren, macht uns das nicht zu schlechteren Menschen. Solange wir mit uns selbst verbunden sind und diese Verbundenheit auch anderen gegenüber spüren, handeln wir aus einem Gefühl der Liebe heraus.

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Die Angst, Gefühle zuzulassen

Es dreht sich immer wieder um die authentischen Gefühle. Die intuitiven Emotionen, die uns klare Signale zu Situationen, Menschen und Ereignissen geben. Aber viele von uns haben gelernt, dass es nicht gut ist, Gefühle zuzulassen. Alte Verletzungen, das Gefühl der Unzulänglichkeit, Verletzlichkeit und Abhängigkeit haben zur Folge, dass wir uns dem gegenüber verschließen, was wir wirklich fühlen. Stattdessen glauben wir den zweiten Gefühlen. Sie sind einfacher zu handhaben. Denn tief im inneren wissen wir, dass sie nur der Bezug sind, nicht der Ursprung.
Mit intuitiven Gefühlen meine ich das Bauchgefühl, das sich meldet, wenn wir mit jemandem zusammen sind. Es ist ein Wissen, das sich durch Wut, Liebe, Traurigkeit, Missverständnis, Vertrauen, Geborgenheit, Vermissen oder anderen klaren Gefühlen ausdrückt.
Dabei handelt es sich nichtmal immer um Gefühle aus der Kammer, sondern um greifbare, präsente Reaktionen, die wir sogar im Körper spüren können.

Trau dich, zu fühlen

Probiere einmal einen Tag lang, einfach zu fühlen. Sobald du merkst, dass du emotional abschweifst und sich weitere Gefühle das erste überdecken, versuche dich zu erinnern und tiefer in das Gefühl zu gehen. Denn es muss Gefühlt werden, um sich auflösen zu können. Entweder, indem es ausgedrückt wird, verfliegt, weil es nicht mehr aktuell ist oder umgesetzt wird durch Aktion der Veränderung.
Du wirst schnell feststellen, dass damit auch eine Akzeptanz für die eigenen Gefühle entsteht und Wut zu Energie wird, Trauer zu Sanftheit und alte Verletzungen heilen können.
So kannst du ein Leben in Authentizität, Verbundenheit und Liebe führen.

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