Mit Yoga zur inneren Ordnung

Es gibt Phasen im Leben, in denen es einfach läuft: man ist motiviert, inspiriert und extrem kreativ. Ein Perpetuum Mobile des Schaffens. Auch wenn man wenig schläft, ist man irgendwie ausgeruht und sprüht vor Enthusiasmus. Und dann gibt es eben die anderen Phasen. Die es Umbruchs. Des Wandels und der Unsicherheit. In solchen Zeiten braucht es eine größere Anstrengung, den Dingen, die einem sonst Spaß machen, nachzugehen und sich zu konzentrieren. Oftmals hat man auch das Gefühl, dass man in diesen Zeiten noch weitere Komplikationen anzieht. Ich tendiere dann dazu, mich verstecken zu wollen. Am besten in der Natur, wo alles irgendwie einer rhythmischen Ordnung folgt. Einer Ordnung, die ich auch immer wieder in meinem Leben suche. Und im Yoga finde.

Der Wunsch nach Klarheit

Je chaotischer alles um uns herum ist, desto größer wird der Wunsch nach Ruhe und Klarheit. Kein Wunder, dass wir uns stattdessen immer mehr verstricken: unsere eigenen Gefühle und Wünsche, Ängste und Sorgen treffen auf die von anderen. Im unglücklichsten Fall, sind es entgegengesetzt Gefühle und Bedürfnisse. Sei es bei einer partnerschaftlichen Trennung, die von einem der beiden ausgeht und der andere bleibt verletzt zurück, bei einem anderen Lebenswandel oder auch bei Stagnation im eigenen Leben: die Ungewissheit, wie es weitergehen soll, drängt einen nur noch weiter in die Abwärtsspirale. Die gewünschte Klarheit bleibt es, je mehr man sich darauf versteift, möglichst schnell eine Antwort zu finden.

Ich bin sehr lösungsorientiert. Es fällt mir wirklich schwer, Situationen, die mir oder anderen weh tun, zu ertragen und aufrecht zu erhalten. Aber nicht immer ist eine schnelle Lösung die Antwort. Manchmal muss man den Wunsch nach Klarheit Wunsch sein lassen und die Kontrolle loslassen.

Kontrolle vs. Durchblick

Stell dir vor, deine momentane Situation ist der Sturm und du der Kapitän auf dem Schiff, das ich mal ganz romantisch „Leben“ nennen würde. Du reißt das Steuer hin und her, aber die Wellen peitschen dein Schiff gegen deinen Willen in die unterschiedlichsten Richtungen. Es wird Zeit zu akzeptieren, dass du keine Kontrolle hast. Das bedeutet nicht, dass du das Steuer loslassen und dich deinem Schicksal überlassen sollst, sondern dass du akzeptieren musst, dass es manchmal einfach nicht möglich ist, die Kontrolle zu behalten. Stattdessen kannst du versuchen, den Durchblick zu bekommen oder zumindest deinem Blick etwas mehr Klarheit zu verschaffen:

  • was ist die Ist-Situation?
  • kannst du dich entziehen? Wenn ja: welche Konsequenzen hat das? Wenn nein:
  • kannst du die Situation positiv beeinflussen? Wenn ja: wie? Wenn nein:
  • was würde dir helfen, durchzuhalten?

Nur weil du eine Situation nicht beeinflussen kannst, heißt das nicht, dass du völlig machtlos daneben stehen musst. Du hast vielleicht keinen Einfluss auf das Chaos, aber du kannst die Ordnung dahinter finden.

Its okay not to be okay

Alles hat einen Rhythmus

Manchmal habe ich das Gefühl, einfach durchhalten zu müssen. Auch wenn ich eigentlich keinen Schritt weiter gehen kann und die Probleme oder Herausforderungen sich nur noch häufen. Das Chaos verschlimmert sich. Und ganz ehrlich: ich könnte non-stop heulen. Besonders nach einer gewissen Zeit, von der man glaubte, dass man nur noch ein ganz kleines bisschen durchhalten müsse, dann wird alles besser. Nur noch ein ganz klein wenig. Und tatsächlich: irgendwann löst sich jede Situation auf. Jeder Konflikt. Nichts ist ewig, alles folgt den Bewegungen der Wellen. Es ist ein Kommen und Gehen. Und trotzdem darf man den Mut auch mal verlieren. Es ist okay, nicht okay zu sein. Auch wenn positives Denken hilft, ist manchmal einfach die Kraft verbraucht. Dann hilft mir Yoga.

Yoga als Mitte des Sturms

Kommen wir zu dem Sturm zurück. Ein Tornado hat in seinem Zentrum einen ruhigen Punkt, an dem es windstill ist. Je größer das Chaos ist, umso wichtiger ist es, einen Punkt zu finden, der nicht von anderen abhängig ist, um wieder zur Ruhe und Halt zu finden. Einen Nordstern.

Yoga hilft dir:

  1. einen eigenen Rhythmus zu finden durch eine regelmäßige Praxis
  2. ein Körper wird durch den Atemfluss beim Yoga beruhigt
  3. dein Geist klärt sich und hilft dir, zu sehen, was ist
  4. du widmest dich dir selbst und signalisierst dir, dass du dich um dich kümmerst
  5. auf deiner Matte hast du die Kontrolle und kommst mit deinem Körper, Geist und deiner Seele zusammen

Hinweise, welche Yogaübungen für dich richtig sind und welcher Yogastil dir helfen kann, zu deiner ganz persönlichen Praxis zu gelangen, findest du in meinem Artikel über Yoga für Einsteiger.

Zugegeben: dieser Artikel ist aus dem Chaos entstanden. Momentan versuche ich noch, den Durchblick zu finden. Die Balance zwischen aushalten und loslassen, Kontrolle und Vertrauen. Und komme immer wieder auf meine Yogamatte zurück, um nicht völlig aus dem Rhythmus zu kommen. Wie gehst du mit Chaos in deinem Leben um?

 

2 Antworten auf „Mit Yoga zur inneren Ordnung“

  1. Wenn man das alles immer so liest, möchte man sich (ich mich) am liebsten über all das mit dir unterhalten und in den Austausch gehen… spannend, total spannend!!!

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