Mein (Yoga)Weg

Once upon a time…

In den wilden 80ern im weniger wilden Unna, einer Kleinstadt im Ruhrgebiet geboren, verbrachte ich die meiste Zeit meiner Jugend außerhalb der Konventionen. Damals noch nicht bewusst brach ich sehr schnell mit festgefahrenen Genderrollen und suchte mir meinen eigenen Weg durch das Leben, getreu dem Motto: wenn der Pfad schon ausgetreten ist, ist es nicht mein eigener.

Neben meinem Abitur begann ich in einem Theater zu arbeiten und ließ mich in die Welt der Dramatik, Romantik und unbegrenzten Möglichkeiten fallen. Und obwohl ich dachte, die Schwere meiner Jugend hinter mir gelassen zu haben, übersah ich, dass ich von einem destruktiven Verhalten in das nächste rutschte. Depressionen, Panikattacken und schließlich eine Essstörung zwang mich und meinen Körper in die Knie. Buchstäblich.

Nach vielen Jahren Therapie hatte ich es schließlich geschafft, aus diesem Sumpf herauszukriechen, nicht wissend, dass ich eine finale Entscheidung noch zu treffen hatte: für oder gegen das Leben.

Eine Episode von tiefgreifenden Ereignissen, Trennungen, Zusammenbrüchen, Buchveröffentlichungen, Erfolgen und Misserfolgen brachte ich Schließich wieder an einen Nullpunkt, an dem ich mich entscheiden musste, ob ich den Weg raus aus der Magersucht noch einmal schaffen würde oder ob ich kapitulieren muss.

Das war Ende 2011. Über Umwege kam ich auf Yoga. Ich brauchte etwas, das mich wieder in den Kontakt mit mir selbst brachte. Wer war ich, wenn ich all diese Schwere, den Schmerz und meine Vergangenheit loslassen würde? Was brauchte meine Seele wirklich? Was war mein Platz in dieser Welt? Auf einem Bettvorleger begann ich, Yoga zu praktizieren und zerstörte bei den ersten Versuchen eines Kopfstandes ein Bücherregal, verschiedene Vasen und fast meine Katze. Aber etwas veränderte sich schon nach kurzer Zeit in mir: der Hunger nach Leben war erwacht und ich spürte instinktiv: ich darf gesund sein. Ich darf erfüllt und glücklich sein. Ich darf Liebe sein.

Im darauf folgenden Frühjahr begann ich meine Yogalehrerausbildung, vertiefte mich in der vedischen Philosophie, machte Exkurse im Ayurveda. Währenddessen tanzte ich weiter im Theater, lernte meine eigene Art der Bewegung kennen und welche Kraft die Körpersprache hatte.

Die Spätfolgen meiner Essstörungen brachten allerdings viele gesundheitliche Probleme: Schilddrüsenfehlfunktionen, Verdauungsstörungen, Reizdarmsyndrom, Allergien. Yoga und eine liebevolle, vegan Ernährungsweise halfen mir nicht nur, meinen Körper zu verstehen und zu nähren, sondern auch das Konzept „Organismus“ und „Ganzheit“ zu verinnerlichen. Ich verstand, dass, wenn ich in meiner Kraft stehe, ich aktiv daran mithelfen kann, dass alle Lebewesen frei von Leid, Angst und Bedrohung sein können. Die eigene Ernährung und Lebensweise ist dabei der erste Schritt.

Es folgten Fortbildungen in der Thai Yoga Massage und der Marma Massage, das Studium der Energien im Körper und das Experimentieren mit verschiedenen Bewegungsformen wie Tai Chi, afrikanischem Tanz, schamanischen Ritualen, der Fluidus Method und den 5 Rhythmen.

Das war lediglich der akademische Weg. Mein Lebensweg brachte viele unterschiedliche Erfahrungen, die ich machen durfte. Es erkrankten mehrere Menschen an Krebs, darunter meine Mutter, die ich, trotz oder eben wegen unseres schwierigen Verhältnisses pflegte und schließlich bis zu ihrem Tod begleitet habe. Eine innere Arbeit, die mir das Wesen von Mitgefühl, Verzeihen, Liebe und Nächstenliebe zeigte, begann. Denn was, wenn nicht die Liebe, bleibt uns?

Die Liebe zu unseren Nächsten, zu uns selbst und der Umwelt.