Yoga bei PMS und während der Periode

Der Artikel schwebte mir irgendwie schon lange im Hinterkopf. Yoga bei PMS und während der Periode. Auf Pinterest gibt es zwar schon unzählige Grafiken dazu, aber warum sollte ich nicht auch meinen Senf dazu geben? Inspiriert von der wunderbaren Daniela von Leuchtende Kriegerin habe ich mich also hingesetzt, um über die Zeit vor und während der Blutung zu schreiben, in der menstruierende Menschen* angeblich überempfindlich und nicht ganz sie selbst sind.

Was genau ist PMS?

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) bezeichnet einen Komplex von Symptomen, die sowohl körperlich, psychisch als auch seelisch sein können. Die Liste von diesen Symptomen ist lang und lässt jedes Pharmazeutika-Herz höher schlagen: von Schmerzen unterschiedlicher Art (Brust, Rücken, Kopf) hin zu Übelkeit, Blähbauch, Abgeschlagenheit auf der körperlichen Ebene und/oder depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Reizbarkeit auf der emotional-psychischen Ebene. Natürlich gibt es zu allem eine Tablette oder Tropfen, denn viele Menstruierende sind stark in ihrem Alltag eingeschränkt, wenn sie unter dem prämenstruellen Syndrom leiden. Natürlich, denn das heutige Leben nimmt leider nicht so viel Rücksicht darauf, in welcher Phase unseres Zyklus´ wir uns befinden. Dabei leiden rund 75% der Frauen* unter PMS. Die Dauer und Ausgeprägtheit kann dabei stark variieren. Während manche Frauen bis zu 14 Tage mit PMS zu kämpfen haben und sich durch die Tage schleppen, spüren andere vielleicht über zwei, drei Tage ein Ziehen in der größer werdenden Brust.

Außerdem setzt jetzt das Gefühl ein, dass man immer schwammiger, aufgeblähter, voluminöser (mir fallen noch zig andere Wörter dafür ein) wird. Nicht nur, dass jegliche Schokoladen- oder Eisvorräte vernichtet werden, der Heißhunger kann teilweise monströse Ausmaße annehmen. Dabei ist vor allem das Anschwellen der Gebärmutter aber der Grund, warum die Hose vermutlich etwas enger geworden ist, und nicht der Pott Eis…

Vom Regen in die Blutung

Ist dann diese Zeit überstanden, folgt die Blutung. Bei manchen Menschen ist damit der Spuk vorbei und mit dem Menstruationsblut verlässt auch der Dämon „Reizbarkeit“ oder „depressive Verstimmung“ den Körper. Bei anderen hingegen kommen nur weitere Symptome hinzu. Starke Schmerzen im Unterleib und Schwindel sind nicht selten und werden allzu häufig als „das ist halt so“ hingenommen, mit einer Tablette weggeschluckt und führen oftmals, besonders bei jungen Frauen dazu, dass die Menstruation gänzlich gehasst wird. Ich möchte nicht zu weit ausholen, aber nicht nur die Symptome, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Beschwerden sind oft ein Auslöser dafür, dass Frauen ihren Körper und die damit verbundenen Wunder ablehnen. Denn wenn man sich trotz Schmerzen in den Tag quält und sich vielleicht noch Sprüche anhören muss („Stell dich doch nicht so an.“ Oder „Die hat wohl ihre Tage“), setzt das auch der Seele zu. Viele greifen deswegen zur Pille und nehmen sie einfach durch. Am besten gar nicht bluten! Und schaden damit ihrem Körper und ihrem natürlichen Rhythmus.

Dabei muss es zum einen nicht so qualvoll sein, um zum anderen hilft ein Perspektivwechsel, um die Menstruation und PMS im anderen Licht zu sehen.

Die Körperintelligenz oder: Schluss mit Bullshit

Momentan kann ich leider meinen Körper nicht ganz so intensiv spüren, wie ich es sonst tue. Normalerweise müssten langsam die körperlichen Veränderungen einsetzen und auch meine Stimmung müsste sich ändern. Allerdings habe ich seit zwei Wochen entzündete Nerven in meinem Schulterbereich und bin voll auf Schmerzmittel, so dass offenbar meine Periode ausbleibt. Was tatsächlich nett ist von meiner Gebärmutter. Ich wüsste nämlich gerade nicht, wie ich das machen sollte: mein rechter Arm ist bewegungseingeschränkt und mein linker ist einfach zu doof, um eine Menstruationstasse adäquat einzusetzen. „Lass laufen“ war ein Rat, aber meine Menstruation hat ohnehin gern die gesamte Aufmerksamkeit und ist gewillt, noch ein paar Tage auf ihren Auftritt zu warten. Yoga bei PMS mache ich trotzdem, kann ja nicht schaden. Denn ich wollte hier gar nicht großartig Übungen vorstellen (mache ich aber am Ende des Artikels noch), sondern auf etwas anderes hinaus: was, wenn die Stimmungsschwankungen und die Reizbarkeit gar nicht die Ausnahme sind? Wir sind nicht „sensibler“, sondern geben uns einfach weniger Bullshit. Nicht unsere Stimmung ist falsch, sondern unser Körper weist uns darauf hin, was wir den restlichen Monat über ignorieren. Unser Geduldsfaden ist kürzer und das zu Recht, wenn du dir anschaust, was du dir die ganze Zeit über gibst: wie oft sagst du „ja“ obwohl du „nein“ meinst? Wie oft steckst du deine Bedürfnisse zurück? Wie oft gehst du über deine Grenzen? Vor und während der Periode solltest du also ganz genau darauf achten, welche Shit-Show du dir nicht mehr geben kannst und worauf du besonders allergisch reagierst.

Während der Menstruation sind wir im engen Kontakt mit unserem Körper und ich stelle die mutige Behauptung auf: wenn wir uns Zeit nehmen würden, in diesen Kontakt hineinzugehen, vor, während und nach der Blutung, müsste unser Körper gar nicht mit so starken Geschützen aufwarten, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen.

Es ist ziemlich faszinierend, wenn man ein Tagebuch führt und das mal mit dem Menstruationskalender abgleicht: die Gedanken, Probleme und Fragestellungen haben ebenfalls einen Rhythmus. Ohne es mitzukriegen, bearbeiten unser Körper und unser Mind unsere Angelegenheiten und wir beschweren uns, dass unser Kopf schmerzt. 

Natürlich haben viele Symptome auch einfach körperliche Ursachen. Die Hormone durchfluten unseren Körper und die Gebärmutter wächst und auch krankhafte Veränderungen können zu Schmerzen und Unwohlsein führen. Es macht auf jeden Fall Sinn, bei starken, wiederkehrenden Beschwerden eine*n Gynäkolog*In aufzusuchen. Lass dich dabei aber bitte nicht mit der Pille abspeisen. Noch immer gibt es viele Ärzte/Ärztinnen, die in der Pille das absolute Wundermittel sehen. Ich selbst musste sie nie nehmen, habe aber in meinem Umfeld keine einzige Frau, die gern die Pille genommen hätte, da die Nebenwirkungen einfach zu stark waren.

Yoga gegen PMS und Menstruationsbeschwerden 

Welche Übungen sind nun also gut, um körperliche oder auch seelische Symptome vor und während der Menstruation zu lindern? 

Zunächst wäre da die Fuckasana. Der Mittelfinger. Sag einfach mal „nein“, wenn es dir nicht gut geht und ziehe Grenzen. Setz dich selbst an die erste Stelle und kümmere dich um deine Bedürfnisse. Das klingt narzisstisch, ist aber unfassbar gesund, wenn du wieder mit deinem Körper in Kontakt kommen willst. In einen friedlichen. Viele Frauen berichten, wie sich ihre Menstruationsbeschwerden verabschiedet haben, als sie sich aus einer emotional erdrückenden Beziehung verabschiedet haben. 

Aber es gibt auch Asanas, die beispielsweise den Beckenboden entspannen. Wie der liegende Schmetterling (hört sich nicht nur süß an, ist es irgendwie auch), bei dem du dich auf den Rücken legst und deine Fußsohlen zusammenbringst, so dass deine Knie nach außen fallen. Das entlastet den unteren Rücken und hilft deinem Beckenboden, weicher zu werden. Auch der Wechsel zwischen Katze und Kuh kann Schmerzen im Rücken und Unterleib lindern. Im Vierfüßlerstand wechselst du dabei zwischen einem Buckel und Hohlkreuz und rollst vom Becken aus über die gesamte Wirbelsäule von einem Tier zum anderen. Wenn du dich dann nach hinten sinken lässt, kommst du in die Stellung des Kindes und kannst deinen gesamten Körper loslassen.

Manche Menschen finden während der Periode Umkehrstellungen unangenehm, andere finden sie super, um für eine Zeit den Druck aus dem Becken zu nehmen.

Wichtig ist, dass du auf deinen Körper hörst. Vielleicht möchtest du lieber nur meditieren oder nur Netflix schauen, vielleicht hast du Bock auf eine anstrengende Ashtanga-Session. Lass dich nicht von Regeln aufhalten, sondern gehe in Kontakt mit deinem Körper, um herauszufinden, was euch beiden helfen würde.

Happy PMS!

 

*ich schließe hier auch Menschen ein, die sich nicht als (Cis)Frau definieren.

3 Wege der Manipulation

„Manipulation“ klingt irgendwie so falsch, fast bösartig. Wir verbinden das Wort „Manipulation“ mit dem Wunsch, andere dazu zu bringen, das zu tun, was wir von ihnen möchten, das sie tun. Oder denken. Oder fühlen. Nur würden wir niemals sagen, dass wir einen Menschen manipulieren wollen würden, sondern wir möchten, dass er oder sie uns mehr liebt, besser von uns denkt oder gewisse Sachen nicht denkt, dass er oder sie in einer anderen Art und Weise handelt, die uns besser gefällt. Wir sagen dann: „Ich möchte, dass du mich liebst.“, oder „Wie schaffe ich es bloß, dass andere besser von mir denken?“, und nennen das nicht Manipulation, sondern verpacken es in Watteworte.

Eigentlich ist das sehr unschön. Aber es gibt sie dennoch, die 3 Wege, andere zu manipulieren, ohne, dass du dein Karma völlig erzockst.

Manipulation ist ein antrainiertes Verhalten

Warum haben wir den Wunsch, andere zu etwas zu bringen, was uns besser gefällt? Natürlich wollen wir glücklich und zufrieden sein, unbeschwert, aber warum nehmen wir es in Kauf, andere unsere Wünsche aufzuzwingen?

Zum einen ist da die große Unsicherheit in jedem von uns. Wenn der oder die andere nur noch das tun würde, was ihm/ihr besser gefällt, wo bleibe ich dann? Eine unserer größten Unsicherheiten ist die Angst vor dem Verlassenwerden und Alleinsein. In einer Welt, die so unglaublich schnelllebig ist, suchen wir nach einer Konstanten und was wäre da naheliegender, als eine Partnerschaft? Doch auch die vermittelt uns nur eine gewisse Sicherheit, solange wir das Gefühl der Kontrolle behalten können. Und Kontrolle bekommen wir durch ein gewisses Maß an bewusster oder unbewusster Manipulation. 

Das Verhalten haben viele schon in der Kindheit gelernt: Liebesentzug ist wohl das schlimmste Werkzeug der Manipulation. „Wenn du dich nicht so und so verhältst, dann liebe ich dich nicht mehr.“, oder „Ich liebe dich nur, wenn du artig bist und das tust, was ich für dich geplant habe.“ Das sind klassische Druckmittel, die meistens natürlich nicht auf diese Weise ausformuliert, aber durch ein bestimmtes Verhalten suggeriert werden. 

Und als Kinder reagieren wir darauf. Wir fangen an, uns in unserem Verhalten einzuschränken und lernen nicht nur, wie wir dem Liebesentzug entkommen können, sondern auch, wie wir selber manipulieren können.

Jetzt wirst du denken „Pardon, le fuck?! Ich manipuliere doch nicht!“, aber es ist nichts verwerfliches, es sich einzugestehen. Es war ein Überlebenstrieb, der dich dazu gebracht, die Manipulation zu lernen. Denn ohne Liebe, Anerkennung und Zuneigung verkümmern wir und wir tun alles, um sie zu bekommen. Die Frage ist mehr: bringt es dir heute noch die gewollte Liebe und Sicherheit?

Living a lie

Angenommen du hast es nun geschafft, dann Umfeld so zu arrangieren, dass alle sich auf eine Art verhalten, so dass du dich geliebt fühlst. Fühlst du dich denn nun wirklich sicher?  Denn woher weißt du, was dieser Mensch wirklich für dich fühlt oder über dich denkt? Musst du diese Manipulation nun dein ganzes Leben fortführen, damit es so weitergeht wie bisher? Und wenn du die Person manipulieren konntest, wer sagt, dass du nicht auch manipuliert wurdest? Was würdet ihr voneinander denken, wenn rauskommen würde, dass ihr euch manipuliert habt? 

Das tut mir leid, dass es nun unbequem wird. Unter uns verrate ich dir, dass mir das alles aufgefallen ist, weil ich mich dabei ertappt habe, dass meine größte Schattenseite die Manipulation ist. Sie triggert mich bei anderen und macht mich derart wütend, dass ich förmlich mit der Nase draufgestoßen wurde: wo und wann versuche ich zu manipulieren? Wann verhalte ich mich anders, als ich es will, nur um geliebt zu werden?

Das Problem dabei ist aber nunmal, dass sich alles, was du unterdrückst, in dir staut und früher oder später seinen Weg nach draußen bahnt. Außerdem ist es furchtbar anstrengend, die ganze Zeit zu versuchen, die Kontrolle zu behalten. Alle Personen in deinem Umfeld genau zu beobachten und sich entsprechend zu verhalten. Ich würde allerdings diese Form der Manipulation erstmal ein Verhaltensmuster nennen, wohingegen die reine Manipulation eine Strategie ist, die bewusst und berechnend angewendet wird.

3 Wege der Manipulation

Und doch gibt es sie, die unumstößlichen, absolut sicheren Wege der Manipulation. Wie du andere dazu bringen kannst, sich so zu verhalten, wie du es willst. Und zwar ohne emotionale Erpressung. 

  1. Behandle dich und andere so, wie du selbst behandelt werden willst.

Die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen, ist für andere ein guter Maßstab in ihrem Umgang mit uns. Zugegeben, es gibt sie, diese wunderbaren Menschen, die einen so liebevoll und zärtlich behandeln, dass man selbst erstmal auf de Gedanken kommt, es ihnen gleichzutun. Wenn ich wirklich erst hätte geliebt werden können, seid ich mich selbst liebe, wäre ich ziemlich hart verkümmert. 

Aber in dem Moment, wo du aufhörst, dich selber zu verurteilen, nimmst du anderen die Chance, dich zu manipulieren und benötigst sie auch selber nicht mehr. In dem Moment, in dem du andere wertschätzend behandelst, inspirierst du sie dazu, sich zu öffnen und dich ebenso zu behandeln. Wenn sie es nicht tun: Adios Bitchachos!

  1. Denke über dich und andere das, was andere über dich denken sollen.

Ähnlich wie bei Punkt 1 zeigst du anderen, was sie über dich denken sollen, in der Art, wie du über dich denkst. „Die Gedanken sind frei“ und bleiben es hoffentlich für immer. Wir können sie nicht kontrollieren und ob jemand gut oder schlecht über dich denkt, dich mag oder nicht, liegt einfach außerhalb deiner Kontrolle. Du kannst es beeinflussen, indem du nur das zeigst, was dem anderen gefällt. Aber bist du es dann wirklich, die oder der gefällt oder eben nur ein Teil von dir?

  1. Sei du selbst.

Der wohl wichtigste Punkt. Sei du selbst. Und zwar mit absoluter Integrität, Authentizität und Mitgefühl. Denn das Handeln des anderen liegt außerhalb deines Wirkungskreises. Deswegen kannst du doch einfach du selbst sein. Your vibe attracts your tribe. 

Wenn du dich dauernd verstellst, woher sollen dich dann die Menschen so lieben, wie du bist? Und wenn Personen von dir verlangen, dich zu verstellen, um dich zu mögen, wie viel ist dann ihre Zuneigung wert?

Man selbst zu sein und sowohl zu seinen Licht- als auch Schattenseiten zu stehen ist wohl das schwierigste für die meisten von uns. Aber diese Art der Manipulation geht nicht auf Kosten von anderen Menschen. Sie bedeutet einfach, dass du dein Selbstwertgefühl gefunden hast und nicht bereit bist, dich selber wieder einzudämmen, deinen Erfolg, deine Liebe, deine Freiheit, deine Wut, deine Wahrheit, nur um anderen zu gefallen.

Und du kannst dann auch selber deine Verhaltensmuster liebevoll durchschauen und loslassen. 

Kann Musik heilen?

Dass Musik einen Einfluss auf unsere Stimmung hat, ist nichts neues. Wenn wir zufällig einen Song hören, der uns gefällt, bewegt sich sofort etwas in uns. Beim Autofahren klopfen wir den Takt auf dem Lenkrad oder singen direkt lauthals mit, hören wir auf der Straße Musik, verändert sich unser Gang, er wird leichter, taktvoller oder kräftiger. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: waren wir in dem einen Moment noch happy und hören melancholische Musik, können wir leicht mit den Gedanken abrutschen und selber in düstere Gefühle gleiten. Aber wie alles in Leben brauchen wir beide Seiten der Gefühls- und Musikwelt, wenn wir heilen wollen.

Wie Musik unser Gehirn beeinflusst

Wenn wir Musik hören, bewusst oder unbewusst, ist weitaus mehr als nur unser Gehör beteiligt. Zunächst muss der Schall natürlich über den Hörnerv im Innenohr an den Hirnstamm weitergeleitet werden, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Dann aber sind direkt mehrere Areale angesprochen. Das sogenannte Broca-Areal, ein Sprachzentrum, der auditorische Bereich natürlich, aber auch Areale für die visuelle Verarbeitung werden angesprochen. Das erklärt, warum viele von uns bestimmte Momente, Situationen, Menschen oder Filmszenen sehen, wenn wir Musik hören.

Aber auch unser Emotionszentrum wird stimuliert. Neben den assoziativen Gefühlen werden auch reale Empfindungen ausgelöst, weil Glückshormone ausgeschüttet werden.

Glückshormone und der Stressabbau

Hormone können maßgeblich dafür verantwortlich sein, wie wir uns fühlen. Endorphine sind solche Glückshormone, die ausgeschüttet werden, wenn wir essen, Sex haben, gewisse Dogen nehmen oder eben Musik hören. Wird unser Körper von ihnen geflutet, spüren wir förmlich, wie wir uns motivierter, zufriedener, irgendwie bereiter fühlen – bereit, aktiv zu sein und offen für das, was sich uns bietet. Gleichzeitig wird beim Musikhören die Ausschüttung von Cortisol, ein Stresshormon, gehemmt. Wenn wir gehetzt sind, uns überlastet fühlen oder unter Druck stehen, setzt der Körper Cortisol frei, das für Stoffwechselvorgänge zuständig ist, die Energie frei setzen. Denn Stress bedeutet für unseren Körper „fight or flight“, also „kämpfe oder fliehe“. Für beides braucht unser Körper Energie. Hören wir aber Musik, wird dieses Hormon reduziert. Schließlich müssen wir nicht wegrennen oder kämpfen.

Und dann gibt es noch Dopamin. Dopamin sorgt dafür, dass wir uns motiviert fühlen und ist bei dem Prinzip der „Belohnung“ beteiligt. Wenn wir beispielsweise gelobt werden, schütten wir Dopamin aus.

Ähnlich wirkt auch Oxytocin, ein Bindungshormon, das wir beim Küssen, Sex, Kuscheln und beim Musikhören ausschütten. Wir spüren Sympathie und fühlen uns wohl.

Ganz besonders können wir diesen Effekt spüren, wenn wir mit anderen zusammen musizieren. Da sich mein musikalisches Talent auf das Spielen der Triangel beschränkt, kann ich das leider nicht aus eigener Erfahrung sagen. Allerdings ist auch beim gemeinsamen Tanzen so. Der enge Kontakt und die Musik fühlen dazu, dass ganze Hormonfluten in unserem Körper ausgeschüttet werden und wir uns einfach gut fühlen.

Musik gegen Depressionen und andere Dämonen

Lass uns kurz festhalten, dass es einen Unterschied zwischen einer klinischen, also chronischen Depression und der sogenannten „depressiven Verstimmung“. Wir verwenden viel zu häufig das Wort „Depression“ oder den Ausdruck „das deprimiert mich“ und verwaschen damit die Bedeutung dieser furchtbaren Krankheit. 

Bei einer klinischen Depression ist man außerstande etwas anderes als Verzweiflung zu spüren. Mittlerweile gibt es viele Studien, wie solche chronischen Depressionen reduziert oder sogar heilt werden können. Forscher der Queen´s University, Belfast und des Northern Ireland Music Therapie Trust konnten in einer Studie nachweisen, dass eine Musiktherapie, ergänzend zur klassischen Therapie, enorme positive Effekte hat.

Auch bei Angststörungen und Nervosität konnte mittlerweile festgestellt werden, dass Musik die Herzfrequenz beeinflusst und deswegen bei akuten und auch chronischen Zuständen unterstützend wirken kann. Hören wir beispielsweise klassische Musik, sinkt unser Herzschlag, sodass unserem Körper signalisiert wird: alles gut, ist nur Mozart. Es sei denn, du findest klassische Musik einfach kacke. Dann macht dich das Hören vermutlich eher aggressiv und du könntest eine Runde Metal vertragen. Hier kann unser Körper Druck ablassen. Auch solche Musik ist wichtig für uns. Wenn wir bewusst traurige oder aggressive Musik hören, können wir uns selber dabei helfen, Gefühle auszudrücken, die wir bisher verdrängt haben. Die Musik wirkt dann wie ein Transportmittel.

Lass mal kitschig sein

Heute morgen, ich übte mich wieder darin, barfuß durch den Schnee zu gehen (warum ich das tue, kannst du im nächsten Artikel lesen), bekam ich Lust auf etwas Theatralik. Ich hörte also dabei „Let it go“ aus dem Disney-Film „Frozen“. Danach habe ich mir direkt noch weitere solcher Ohrwürmer in meine Playlist gepackt und meinen eigenen Soundtrack gestaltet. Zugegeben, absolut kitschig. Aber genau das brauchte ich heute. Ein wenig Selbstironie. Etwas Rampenlicht. Ein bisschen kindisches Getanze und das Gefühl, eine Disney-Prinzessin zu sein. Und mir persönlich hilft solche Musik direkt gegen eine Enge im Brustkorb. Allein das Hören solcher Musik, bei der die Sänger*Innen aus voller Kehle sportsingen, öffnet bei mir die Lungen bis in die kleinsten Kapillarbläschen. 

Und ein weiterer positiver Effekt: mein Gehirn springt voll drauf an.

Angst und depressive Stimmung kommt häufig von unseren eigenen Gedanken. Unser Mind kaut Probleme durch, baut sich welche, wo keine sind oder kann einfach nicht anders, als sich Sorgen zu machen. Besonders Zukunftsängste machen uns zu schaffen. „Was soll ich tun?“, „Wie soll ich mich entscheiden?!“, „Was ist der richtige Weg?“, „Wie kann ich es vermeiden, dass ich etwas bereue?“ – Let it go, let it gooo. Lass es los. Die Buddhisten sagen: lass den Gedanken fallen. Natürlichen müssen wir uns über bestimmte Dinge unsere Gedanken machen. Besonders, wenn es uns nicht gut damit geht. Aber meistens kennen wir die Antwort schon lange und sind einfach noch nicht bereit dazu, diesen Schritt zu gehen oder aber wir haben tatsächlich keinen Plan, wo es nun lang gehen soll, aber dann macht es das Grübeln auch nicht besser.

Gönn dir diese Auszeit und lass mal los. 

Yoga und Minimalismus

Minimalismus – durch Yoga zum Wesentlichen

Wenn ich mir die Yogaszene so anschaue, kann man mittlerweile oftmals mehr von einer Marketingszene sprechen. Viele praktizieren Yoga, weil man hier unfassbar gut verkaufen kann. Sich und seine Produkte. Von Glasflaschen, die energetisiertes Wasser per Mandala auf high Vibes halten, über nahezu selbstreinigende Matten bis hin zu detox-vegan-glutenfree-sugarfree-allesfree-Yogasnacks für 4,99€ das Stück. Ich steh auf Energien, tolle Matten und Snacks (vegan, glutenfrei, zuckerfrei, wasauchimmer), aber warum ich lieber minimalistisch Yoga praktiziere und warum du es ausprobieren solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Yoga auf dem Bettvorleger

Wenn ich sowas schreibe, fühle ich mich fast ein bisschen alt. Aber: damals habe ich noch Yoga auf dem Bettvorleger gemacht. Ich bin ein Mensch mit vielen Interessen. Deswegen habe ich auch schon vieles ausprobiert und manches davon beibehalten, anderes wieder aus meinem Leben gekickt. Wie zum Beispiel das Boxen. Es hat Spaß gemacht, ich steh auf hartes Zirkeltraining, aber so richtig wollte es mir nicht gelingen, jemandem eins auf die Mütze zu geben. Trotzdem hatte ich da schon einige Euros für das Equipment ausgegeben. Als ich dann also mit Yoga anfing, startete ich erstmal auf meinem Bettvorleger, anstatt viel Geld für eine Matte auszugeben, nahm einen Schal als Yogagurt und zwei dicke Bücher waren meine Yogablöcke. Das hatte etwas romantisches an sich. Und war zu dem Zeitpunkt auch völlig ausreichend. Ich richtete mir eine kleine Yogaecke ein, wo ich dann meinen Bettvorleger feierlich entrollte, ein Räucherstäbchen anzündete und per YouTube entspannende Musik anmachte. Durch dieses kleine Ritual wurde mein Bettvorleger die beste Yogamatte, die ich mir hätte vorstellen können und die Basis von meiner heutigen Yogapraxis.

Praktisch vs. Überflüssig

Es gibt in der Yogawelt natürlich praktisches Zubehör, das das Ausführen und Halten von Asanas vereinfachen und teilweise auch sicherer machen kann. Yogablöcke werden beispielsweise dazu benutzt, den Arm zu verlängern, so dass man den Rücken gerade halten und dennoch in Trikonasana, das Dreieck, kommen kann. Besonders zu Beginn der Yogapraxis neigt man dazu, sich zu übernehmen und ungesunde Haltungen einzunehmen. Yogablöcke können dabei echt hilfreich sein! Ich hatte damals einfach zwei dicke Bücher. Das war weniger praktisch, aber hat vorerst ausgereicht. Heute benutze ich Yogablöcke aus Kork. Sie sind griffig und minimalistisch und lenken mich nicht während meiner Praxis ab. Ein Yogagurt hat den gleichen Sinn, nur in anderen Asanas: man kann sich gerade halten, den Fuß in eine Schlaufe legen und so beispielsweise die Vorwärtsbeuge rückenschonend ausführen. Für mich reichte zunächst ein Schal aus. Mittlerweile benutze ich einen Gurt aus schlichtem Jute. Auch hier: absolut praktisch, ausreichend und nicht ablenkend. 

Es macht Spaß, neues auszuprobieren und verspielt an die Sache zu gehen. Ganz ehrlich, als ich das erste Mal einen richtigen Gurt und richtige Blöcke mit auf der Matte hatte, ging erstmal das große Experimentieren los. Wohin kann ich meine Beine ziehen, wie lange kann ich auf dem Klotz balancieren, wie fühlt sich ein Spagat auf zwei Blöcken an… Die Matte wurde zum Spielplatz, „bis einer weint“. Ich habe natürlich nicht geweint – mich nur vielleicht etwas übernommen.

Du bist nicht deine Items

„Du bist nicht dein Auto. Du bist nicht das Geld auf meinem Konto“, sagte Tyler Durden in „Fight Club“. Hätte Yoga damals schon seinen Boom gehabt, hätte er vermutlich auch gesagt: „Du bist nicht das Mandala auf deiner Matte. Du bist nicht die goldene Applikation auf deinem Yogagurt…“. 

Bei dem ganzen Überfluss an Möglichkeiten, hatte ich irgendwann das Gefühl, ich müsste dringend auch eine schnieke Matte haben. Mit irgendwas hippen. Gerade so, als wäre sonst meine Yogapraxis nichts wert. „Ist es überhaupt Yoga, wenn ich es nicht auf einer Yogamatte mache?“, kam mir in den Sinn und ich begab mich auf die Suche nach einer geeigneten Matte. Es dauerte tatsächlich Wochen, bis ich mich dazu entschlossen hatte, welche ich nicht haben will und völlig überfordert die Suche aufgegeben hatte. Um ehrlich zu sein fühlte ich mich richtig schlecht: ich hatte nicht viel Geld und somit fielen viele Matte raus. Also tat ich das einzig vernünftige und wünschte mir einfach eine zu Weihnachten. Keine konkrete Matte, sondern irgendeine. Schließlich hatte ich meine Grundausbildung auf dem Bettvorleger gemacht, da wäre jegliche Matte ein Fortschritt.

Aber das Gefühl, kein „vollwertiger Yogi“ zu sein, war bitter. Keine Leggings, keine Blöcke, kein nichts.  Ohne es zu wissen, wurde ich mit dem vierten Yama aus dem achtgliedrigen Pfad konfrontiert: Das Nichtanhaften und Bescheidenheit. Macht es denn einen Unterschied, ob ich nackend auf dem Bettvorleger Yoga mache oder in der Leggings für über 70 Euro auf der Matte, die beschaffen ist wie jede andere, aber ein teures Muster hat? Matte und Klamotten sind nur praktische Zusätze, die die Praxis erleichtern, aber nicht deinen Wert als Praktizierende*r bestimmen sollten. 

Reise mit leichtem Gepäck

Und plötzlich ist die Yogawelt sehr greifbar: wie oft versuchen wir in unserem Alltag, uns über unsere Käufe zu definieren? Darüber, was wir an Klamotten tragen, welches Auto wir fahren oder wie „hipp“ unser Schmuck ist? In der Yogaszene sind es gerne solche Items, die auf einmal darüber entscheiden, wie sehr man dazu gehört. Dabei ist das Reisen mit leichtem Gepäck viel angenehmer. Schließe einmal die Augen und stell dir vor, dass deine Yogapraxis nicht durch deine Matte oder deine Mala definiert werden würde. Stell dir vor, du bräuchtest den ganzen Krempel, den du online bestellt hast, gar nicht, sondern könntest mit leichtem Gepäck reisen. Denn letztlich ist es genau das: das Leben ist eine Reise, Yoga ist eine Reise und am Ende, wenn wir in Savasana liegen (im Yoga wie im Leben), kannst du deine Blöcke und Flaschen und was nicht alles nicht mitnehmen. Du hast es vielleicht auf dem Weg mit dir rumgeschleppt, aber glücklicher bist du dadurch nicht geworden.

Es spricht absolut nichts dagegen, sich auch mal das neuste Design zu gönnen. Ich steh mittlerweile auch einfach auf gute und faire Verarbeitung, so dass mich eine rutschfeste Matte während meiner Yogapraxis glücklich macht. Es ist schön, wenn man spürt, wie manche Asanas einfach besser klappen, wenn das Equipment stimmt. Aber das geht auch völlig ohne Einhornglitzer und Schnickschnack. So wie es sich auf einer neuen Matratze im Bett besser schlafen lässt, unabhängig davon, welches Muster sie hat.

Anstatt dich also zu stressen und unnötig viel Geld auszugeben, entspann dich! It´s Yoga! Yoga darf minimalistisch sein. Wenn man den ganzen Klimbim weglässt, wird Yoga pur und ehrlich. Da gibt es keinen Krams, hinter dem ich mich verstecken könnte. 

Minimalismus und die Klarheit

Wenn ich dann nicht mehr ablenkt bin, wird mein Geist plötzlich klar. Da ist kein fancy Getue oder Glitzer, der mich vielleicht ein bisschen mehr „eso“ aussehen lässt, sondern nur ich, mit meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele und der Blick dafür, was ist. Wenn ich dieses „was ist“ anschaue, dann werden auch Challenges überflüssig. Das Vergleichen, wer das schönere Equipment hat, kann langsam ausfaden – das „was ist“, ist völlig unabhängig von anderen. Es braucht kein Bewerten, sondern ein stilles Beobachten. Ganz minimalistisch also. 

Das gleiche passiert auf Reisen oder in unserer Wohnung: der Blick wird klar, unser Rucksack ist leichter. Wir können uns auf die schöne Aussicht konzentrieren anstatt darauf, was wir heute Abend anziehen – weil wir gar nicht so viele Auswahlmöglichkeiten haben. 

Und mit diesem Abschälen von äußerem Materialismus kommen wir uns endlich selber näher. Wer begegnet mir, wenn ich das Gedöns weglasse, mit dem ich mich selber zuschütte? 

Sammle, aber Erfahrungen

Nach wenigen Monaten der Yogapraxis haben viele von uns einen eigenen Yogashop zuhause. Matten, Klamotten, Bücher, Plakate, Gurte… so weit das Auge reicht. Wir Menschen sind dazu veranlagt, zu sammeln und wir versuchen, uns zu bereichern. Doch das einzige, was wir wirklich sammeln können, sind Erfahrungen. Sowohl äußere als innere. Es sind die Erinnerungen und die Momente, die uns wirklich reich machen – das klingt jetzt sehr nach Kalenderspruch, aber im Yoga heißt es, dass es nicht darauf ankommt, möglichst schnell eine neue Pose zu lernen, sondern darauf, was auf dem Weg dorthin passiert. Die Erfahrungen, die du auf diesem Weg machst, sind entscheidend. 

Yoga und Joggen: neue Herausforderungen meistern

Es ist ungefähr drei Jahre her, dass ich wirklich intensiv joggen war. Neunzig Minuten, alle zwei Tage. Es gehörte zu meiner Routine, danach Yoga zu machen und dann den restlichen Tag zu starten. Immer dabei, mein Hund Emma. Aber mit zunehmenden Alter hatte Emma nicht mehr wirklich Lust zu laufen. Nicht, dass sie es nicht könnte – sie ist nach wie vor ein Ball-Junkie und kann ohne Probleme vier Stunden am Strand spazieren – aber sie hat einfach keinen Bock mehr. Und ich? Ich habe das als Anlass gesehen, dann eben auch nicht mehr zu joggen.

Als ich dann noch Gelenkschmerzen und allergisches Asthma bekam, habe ich die Laufschuhe weit hinten im Schrank versteckt. Nur immer mal wieder haben sie mich angeblinzelt. Fast ein wenig hoffnungsvoll. Und durchaus habe ich immer mal wieder einen zarten Versuch gestartet, das Joggen wieder zu beginnen. Warum ich immer wieder gescheitert bin und jetzt aber für einen Halbmarathon trainiere, wie Yoga und Joggen sich wunderbar ergänzen und warum das alles liebevolles Self-Care bedeutet: darum geht´s im heutigen WildYoga Blog.

Die Motivation wächst mit der Herausforderungen

Natürlich hatte ich damals einfach keine Lust, allein zu joggen. Es war toll, mit Emma bei Wind und Wetter rauszugehen, zu spielen, dabei zu joggen und gemeinsam die Natur zu genießen. Das fehlte mir sehr, als ich die ersten Male allein loslief und dann beschloss, dass das am Thema vorbei ging. Es war eben „unser Ding“ und stattdessen sind wir dann eben gewandert oder einfach spazieren gegangen. Für sie hatte das den gleichen Effekt und ich konnte mich sogar noch etwas besser auf Emma konzentrieren. Aber über die Jahre hat sich dann die Traum-Kombi „Joggen und Yoga“ zu „nur Yoga“ gewandelt und ich wurde bequem. Natürlich fordert mich Yoga heraus, mit jeder Asana, jedem Flow. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht etwas neues über meinen Mind oder Körper lerne. Aber ich merkte, dass ich schlechter schlafen konnte, meine Knie und Hüfte weh taten und ich eigentlich ziemlich lustlos aß. Nicht prinzipiell und immer, aber das Thema „Self-Care“ und „Self-Love“ ist für mich mit rosa Blubber-Schaum-Bädern eben nicht befriedigend.

Vor gut zwei Wochen beschloss ich also, das ganze neu aufzurollen. Dabei sollte der Versuch aber diesmal fruchten und sich nicht wieder nach zwei Einheiten in Wohlgefallen und „ach wär es doch…“ auflösen. Was also tun, um Yoga und Joggen nachhaltig zu kombinieren?

Zunächst einmal habe ich mir einen groben Trainingsplan rausgesucht. Ich wollte ein Ziel haben, etwas, worauf ich hinarbeiten kann. Am besten sollte ich zwischendurch Ergebnisse sehen und spüren, so dass meine Motivation erhalten bleibt. Natürlich ist der Winter nicht ideal, um das Joggen anzufangen? Von wegen: meine Herausforderung sollte von Anfang an hoch liegen. Selbstdisziplin. Raus, auch wenn es bei 4 Grad regnet. 

Was aber sollte mein Ziel sein? Worauf sollte mein Trainingsplan angelegt sein? Ich will weder abnehmen, noch einen strafferen Po (unter uns… wenn der irgendwann aufhört zu krampfen, wird der bestimmt super crispy!). Es geht also um das Mind-Set. 

Meine neue Herausforderung ist also ein Halbmarathon. Ob ich tatsächlich offiziell irgendwo mitlaufe, ist erstmal nebensächlich. Aber sagen zu können „Ich trainiere für einen Halbmarathon“ hilft mir, meine Schuhe zu schnappen und loszulaufen. Ich muss mir auch keine Gedanken machen, wann und wie lange ich laufe: mein Trainingsplan steht und wird nur etwas verschoben, wenn es meiner Motivation nützt. Wenn ich beispielsweise mit meinem 3 jährigen Neffen Plätzchen backen kann und das leider auf meinen Trainingstag fällt, muss ich eben am nächsten Tag laufen gehen.

Aber je höher meine Herausforderung ist, umso größer ist meine Motivation.

Yoga für das Mind-Set

Beim Joggen geht es allerdings nicht nur um die Kondition und körperliche Verfassung, sondern auch um das Durchhalten. Wie gesagt: wenn man bei 4 Grad und Regen losläuft, ist das erstmal kacke. Es ist kalt und nass und man fragt sich, wer einen wohl am Sterbebett besuchen wird, wenn man an der Lungenentzündung dahinsiecht. Nach etwa 15-20 Minuten setzt dann aber ein Flow ein. Der Flow, den ich vom Yoga kenne. Wenn der Mind aufhört zu quatschen und alles mies zu machen und sich beispielsweise darüber freut, dass man so diszipliniert ist. Dass man wieder einen Schritt weiter ist, dem Ziel näher.

Während einer Yogastunde sehen die Gedanken oftmals so aus: „Namaste, ole!….okay…das ist jetzt schon etwas anstrengend…f*ck, das sind keine Muskeln sondern Lederlappen!…wie lange soll ich die Asana noch halten?!…ich kann nicht mehr…ich sterbe….ich hasse Yoga…oh, das fühlt sich ganz gut an…whoops, das war ein lauter Furz….oh..Savasana..ich LIEBE Yoga!“. Und so ähnlich ist es auch beim Joggen. Yoga und Joggen sind sich also ähnlicher, als man denkt.

Beides lehrt einen, dass man so oder so am Ziel ankommt. Man wird die Strecke bewältigen, man wird im Savasana liegen können und man wird sich vielleicht erschöpft, aber auch glücklich fühlen.

Die Ansprüche steigern 

Mein Trainingsplan sieht so aus, dass er sich langsam aber sicher in der Intensität steigert. Er fing bei 25 Minuten an und soll mich darin trainieren, über zwei Stunden joggen zu können (oh Gosh…). Zwischendurch gibt es Regenerationstage, an denen ich entweder gar nicht oder aber nur 20-30 Minuten locker laufe. Aber die immer größeren Anforderungen sind es, die mein Wachstum fördern. Meine Kondition steigert sich dadurch, dass mein Körper lernt, länger durchzuhalten. Der Kreislauf wird trainiert. Meine Muskeln wachsen (uh yeah) und mein Mind lernt, entspannt zu bleiben.

Wir brauchen neue Impulse, um zu wachsen. Das ist beim Joggen wie beim Yoga. Oder eben auch im Alltag. Wenn wir uns nie herausfordern, können wir auch keine neuen Fähigkeiten entwickeln. Das bedeutet nicht, dass wir im Selbstoptimierungswahn verfallen sollen. Aber wenn du dich unzufrieden und irgendwie „Low“ fühlst, kann es dir helfen, deine Ansprüche an dich zu steigern, damit du wieder aus dem Knick kommst. So ging es mir. Als ich mir mehr zugemutet habe, war ich auch zu mehr fähig. Ich kümmere mich viel besser um mich selbst, weil ich auch mehr leisten möchte. Ich muss darauf achten, dass es meinem Körper gut geht, dass er ausreichend versorgt ist und auch seine Ruhe bekommt. 

Selbstdisziplin bedeutet für mich auch Self-Care und Self-Love. 

5 positive Mindsets für mehr persönliches Wachstum

Wie aber kannst du deinen Mind trainieren? Diese 5 Mindsets haben mir geholfen, mein persönliches Wachstum anzukurbeln. Und das ohne Druck oder Stress.

  1. Definiere dein Ziel ganz klar, damit du weißt, worauf du hinarbeiten willst.
  2. Setze dir Zwischenziele, die spürbar sind und die du sogar messen kannst (Dauer des Trainings, Strecke, Geschwindigkeit…)
  3. Fordere deine Fähigkeiten heraus 
  4. Mach dir klar, dass nur neue Herausforderung neue Fähigkeiten mit sich bringen
  5. Gönn dir Ausreißer, wenn sie deiner Zufriedenheit und deinem Durchhaltevermögen helfen.

Besonders der letzte Punkt wird gerne mal falsch verstanden. Aber sei es eine Ernährungsumstellung oder ein Trainingsplan: wenn wir uns nicht erlauben, menschlich zu bleiben, entwickeln wir ganz schnell eine Abneigung und unsere Motivation geht flöten.

5 Yogaübungen für Jogger*Innen

Yoga und Joggen helfen aber nicht nur beim Verbessern der Kondition und des Minds. Yoga hilft, die Muskeln geschmeidig zu halten und zu entspannen. Deswegen gibt es jetzt 5 Yogaübungen für Jogger*Innen, die du deinen Bedürfnissen anpassen kannst. 

Wie du weißt, bin ich ein Verfechter vom intuitiven Yoga. Deswegen spüre ganz genau nach, wie sich dein Körper bei den Asanas anfühlt und lasse dich von den Impulsen leiten.

Halte jede Stellung etwa 5-10 Atemzüge.

1.Stehende Vorwärtsbeuge 

Vorwärtsbeuge.jpg

Lass dich einfach nach vorn sinken, die Knie sind leicht gebeugt, der Nacken entspannt.

2. High LungeYoga und Joggen

Mache einen Schritt nach hinten, die Ferse strebt Richtung Boden, der fordere Fuß ist fest mit dem Boden verbunden und schiebt nach vorn. Lass dich in die Hüfte sinken.

3. Low Lunge

Joggen und Yoga Low Lunge

Lass dein Knie zu Boden sinken und entspann deine Hüfte noch mehr. Lehne dich vorsichtig zurück, so dass dein Brustkorb geöffnet wird.

Wiederhole high- und low Lunge auf der anderen Seite.

4. Tiefe Hocke

Yoga und joggen Übungen

Bring deine Füße etwas weiter auseinander als hüftbreit und lass dein Gesäß Richtung Boden sinken. Achte darauf, ob die Asana deinen Knien gut tut. Schiebe mit deinen Ellbogen deine Knie auseinander. Atme tief in den Bauch.

5. Hüftöffner

Jogging und Yoga

Die Asana ist etwas intensiver und du kannst dir Kissen unter die Knie legen, falls du Schmerzen in der Hüfte oder den Knien bekommst.

Setze dich auf den Boden, lege ein Bein im rechten Winkel vor deinen Körper. Lege den Fuß des anderen Beines auf das Knie und bringe das obere Knie Richtung Boden. Atme tief in den Bauch.

Die Regeneration 

Und Emma? Emma läuft mit, wenn ich die besagten Regenerationstage einlege und locker laufen kann. So kommt auch sie zu einem sanften Training und wir haben unseren Spaß zusammen. Denn unter uns: auch eine 12 jährige Hundeoma muss nicht einrosten. Menschen wie Hunde wollen gefordert werden. 

Also trau dich und wachse über dich hinaus! Sorge gut für dich und staune, wozu du fähig bist!

 

 

Morgenrituale

„Meine Morgenroutine sieht so aus: ich sitze auf der Bettkante und wiege mich vor und zurück!“, dachte ich, als es in einer Instagramstory um morgendliche Rituale ging. Am nächsten Morgen dann machte ich eine verblüffende Entdeckung: ich habe meine ganz eigenen Rituale, die mich motivieren, zentrieren und vor allem auch gesund halten. Körperlich und mental. Jedenfalls so gesund es eben manchmal geht, wenn alles drunter und rüber läuft. Wie mein persönlicher Morgen so aussieht und warum ich immer nah dran bin, in einen Trott zu verfallen, erfährst du hier.

Erst Kaffee, dann Welt

Die meisten Menschen greifen direkt nach dem Aufwachen nach dem Handy. Dadurch, dass es für viele Wecker, E-Book und allgemeiner Nachrichtendienst in einem ist, ist die Versuchung groß, es direkt neben dem Bett liegen zu lassen. Was aber passiert, wenn wir, noch nicht ganz in der Welt, direkt Nachrichten checken? Unsere morgendlichen Rituale definieren, wie der restliche Tag wird. Natürlich nur als Basis, aber jeder kennt das Sprichwort „mit dem falschen Fuß aufstehen“. So können wir auch mit den falschen Nachrichten aufstehen. Wie viele Nachrichten vermitteln uns direkt am Morgen, dass wir a) durchgehend erreichbar sein müssen, b) unsere To-Do noch weiter gewachsen ist, c) sich jemand bei uns Luft machen und seinen Frust ablassen will? Leider zu viele. Kurz gesagt: direkt verkackt.

Ich habe mir angewöhnt, erst bei meinem ersten Kaffee Nachrichten zu checken. Und Kaffee ist mein erstes morgendliches Ritual. Danach bin ich bereit für die Welt. Es ist aber wichtig, dass ich den Kaffee nicht bis in die Ewigkeit in die Länge ziehe. Meistens bis zu einer Stunde gönne ich mir die Zeit, anzukommen, mir eventuell Notizen zu machen, was mich grad beschäftigt oder woran ich denken möchte, wenn ich wirklich richtig wach bin – nach meiner morgendlichen Routine. Da ich selbstständig bin, habe ich selten Termine am Morgen, die mich zwingen, im Büro zu sein. Um weiterhin eine Struktur zu haben, kam es also irgendwann zu dieser Stunde.

Mit Yoga in den Tag

Wenn nicht wirklich etwas anderes wichtiges ansteht, geht es dann ab auf die Matte. Bis zu 90 Minuten. Meistens aber, so unter uns, weniger. Bevor dann allerdings die Asanas losgehen wird geräuchert. Jeder kennt die Räucherstäbchen. Ich stehe auch auf Salbei und Sandelholz. Es macht die Yogasession einfach zu etwas besonderem. Zu einem Ritual. Für das ich mir Zeit nehme. Dabei setze ich entweder eine Intention für meine Praxis, lasse das, was ich mir beim Kaffee vorher aufgeschrieben habe, los oder aber spüre einfach bewusst in meinen Körper, was er heute brauchen würde.

Morgenrituale Räuchern

Danach können sehr unterschiedliche Dinge passieren. Vom Flow über intensives Muskeltraining bis hin zu meditativen Stretchings. Erlaubt ist, was gut tut. Dabei kehren manche Elemente immer wieder, weil ich im Laufe der Jahre gemerkt habe, dass sie meinem Körper oder Geist besonders gut tun.

Morgenrituale der Sonne entgegen

Raus in die Natur

Kaffe: check, Yoga: check. Danach: Hund wecken. Emma schläft meistens bis 11-12 Uhr, so dass ich alles ganz entspannt machen kann, bevor sie sich meldet. So hat sich unsere gemeinsame morgendliche Routine über die Jahre eingespielt. Nach dem Duschen geht es also raus in die Natur. Den Kopf frei machen für den restlichen Tag. Eventuell die ersten Telefonate machen.

Morgendliche Rituale als Basis für den Tag

Es können also sehr einfache Dinge sein, die den Tag besser einleiten als nervig Mitarbeiter oder grimmige Kollegen. Was ist deine morgendliche Routine? Gibt es etwas, das du verbessern möchtest? Oder fällst du einfach aus dem Bett und hoffst, dass du weich landest?

Mit Yoga zur inneren Ordnung

Es gibt Phasen im Leben, in denen es einfach läuft: man ist motiviert, inspiriert und extrem kreativ. Ein Perpetuum Mobile des Schaffens. Auch wenn man wenig schläft, ist man irgendwie ausgeruht und sprüht vor Enthusiasmus. Und dann gibt es eben die anderen Phasen. Die es Umbruchs. Des Wandels und der Unsicherheit. In solchen Zeiten braucht es eine größere Anstrengung, den Dingen, die einem sonst Spaß machen, nachzugehen und sich zu konzentrieren. Oftmals hat man auch das Gefühl, dass man in diesen Zeiten noch weitere Komplikationen anzieht. Ich tendiere dann dazu, mich verstecken zu wollen. Am besten in der Natur, wo alles irgendwie einer rhythmischen Ordnung folgt. Einer Ordnung, die ich auch immer wieder in meinem Leben suche. Und im Yoga finde.

Der Wunsch nach Klarheit

Je chaotischer alles um uns herum ist, desto größer wird der Wunsch nach Ruhe und Klarheit. Kein Wunder, dass wir uns stattdessen immer mehr verstricken: unsere eigenen Gefühle und Wünsche, Ängste und Sorgen treffen auf die von anderen. Im unglücklichsten Fall, sind es entgegengesetzt Gefühle und Bedürfnisse. Sei es bei einer partnerschaftlichen Trennung, die von einem der beiden ausgeht und der andere bleibt verletzt zurück, bei einem anderen Lebenswandel oder auch bei Stagnation im eigenen Leben: die Ungewissheit, wie es weitergehen soll, drängt einen nur noch weiter in die Abwärtsspirale. Die gewünschte Klarheit bleibt es, je mehr man sich darauf versteift, möglichst schnell eine Antwort zu finden.

Ich bin sehr lösungsorientiert. Es fällt mir wirklich schwer, Situationen, die mir oder anderen weh tun, zu ertragen und aufrecht zu erhalten. Aber nicht immer ist eine schnelle Lösung die Antwort. Manchmal muss man den Wunsch nach Klarheit Wunsch sein lassen und die Kontrolle loslassen.

Kontrolle vs. Durchblick

Stell dir vor, deine momentane Situation ist der Sturm und du der Kapitän auf dem Schiff, das ich mal ganz romantisch „Leben“ nennen würde. Du reißt das Steuer hin und her, aber die Wellen peitschen dein Schiff gegen deinen Willen in die unterschiedlichsten Richtungen. Es wird Zeit zu akzeptieren, dass du keine Kontrolle hast. Das bedeutet nicht, dass du das Steuer loslassen und dich deinem Schicksal überlassen sollst, sondern dass du akzeptieren musst, dass es manchmal einfach nicht möglich ist, die Kontrolle zu behalten. Stattdessen kannst du versuchen, den Durchblick zu bekommen oder zumindest deinem Blick etwas mehr Klarheit zu verschaffen:

  • was ist die Ist-Situation?
  • kannst du dich entziehen? Wenn ja: welche Konsequenzen hat das? Wenn nein:
  • kannst du die Situation positiv beeinflussen? Wenn ja: wie? Wenn nein:
  • was würde dir helfen, durchzuhalten?

Nur weil du eine Situation nicht beeinflussen kannst, heißt das nicht, dass du völlig machtlos daneben stehen musst. Du hast vielleicht keinen Einfluss auf das Chaos, aber du kannst die Ordnung dahinter finden.

Its okay not to be okay

Alles hat einen Rhythmus

Manchmal habe ich das Gefühl, einfach durchhalten zu müssen. Auch wenn ich eigentlich keinen Schritt weiter gehen kann und die Probleme oder Herausforderungen sich nur noch häufen. Das Chaos verschlimmert sich. Und ganz ehrlich: ich könnte non-stop heulen. Besonders nach einer gewissen Zeit, von der man glaubte, dass man nur noch ein ganz kleines bisschen durchhalten müsse, dann wird alles besser. Nur noch ein ganz klein wenig. Und tatsächlich: irgendwann löst sich jede Situation auf. Jeder Konflikt. Nichts ist ewig, alles folgt den Bewegungen der Wellen. Es ist ein Kommen und Gehen. Und trotzdem darf man den Mut auch mal verlieren. Es ist okay, nicht okay zu sein. Auch wenn positives Denken hilft, ist manchmal einfach die Kraft verbraucht. Dann hilft mir Yoga.

Yoga als Mitte des Sturms

Kommen wir zu dem Sturm zurück. Ein Tornado hat in seinem Zentrum einen ruhigen Punkt, an dem es windstill ist. Je größer das Chaos ist, umso wichtiger ist es, einen Punkt zu finden, der nicht von anderen abhängig ist, um wieder zur Ruhe und Halt zu finden. Einen Nordstern.

Yoga hilft dir:

  1. einen eigenen Rhythmus zu finden durch eine regelmäßige Praxis
  2. ein Körper wird durch den Atemfluss beim Yoga beruhigt
  3. dein Geist klärt sich und hilft dir, zu sehen, was ist
  4. du widmest dich dir selbst und signalisierst dir, dass du dich um dich kümmerst
  5. auf deiner Matte hast du die Kontrolle und kommst mit deinem Körper, Geist und deiner Seele zusammen

Hinweise, welche Yogaübungen für dich richtig sind und welcher Yogastil dir helfen kann, zu deiner ganz persönlichen Praxis zu gelangen, findest du in meinem Artikel über Yoga für Einsteiger.

Zugegeben: dieser Artikel ist aus dem Chaos entstanden. Momentan versuche ich noch, den Durchblick zu finden. Die Balance zwischen aushalten und loslassen, Kontrolle und Vertrauen. Und komme immer wieder auf meine Yogamatte zurück, um nicht völlig aus dem Rhythmus zu kommen. Wie gehst du mit Chaos in deinem Leben um?

 

Finde deinen (Yoga)Weg – das Xperience Festival

Find your way, find your way
whether you fumble or stand graceful darlin‘
find your way

Vom Suchen und Finden des Weges

Es hat nun ein paar Tage gedauert, bis ich mich an den Beitrag über das Xperience Festival setzen konnte – oder wollte. Manche Dinge oder Ereignisse wollen erst sacken und wirken und so ganz habe ich noch nicht die richtigen Worte gefunden, um zu beschreiben, was in den fünf Tagen alles passiert ist. Aber etwas begleitet mich seitdem: Zeilen aus den Songtexten von Rising Appalachia. „Find your Way“ ist für mich ein passendes Gefühl zu dem Yogafestival.

Chakra Weg

Das Xperience Festival: worum ging es?

Die Organisatoren beschreiben das Festival als ein Event der Begegnung. Yoga, Musik, Tanz, Movement, Veganismus und Aktivismus bildeten den Rahmen, in dem man verschiedene Kurse, Workshops und Vorträge besuchen konnte. Mit dabei waren Stars, Sternchen und solche, die es gern sein wollen. Und solche, die bereits namenhafte Teacher aus der Yogaszene sind, aber so bodenständig leben, dass man während des veganen Caterings am zweiten Tag schon Umarmungen austauscht.

Es war ein Festival der Vielfalt: auf der einen Seite liebevoll, spirituell und harmonisch, auf der anderen Seite gab es sie auch hier, die Vergleiche und das störrische Gefühl, dass vielleicht etwas viel Einhornglitzer an manchen Ecken rieselt. Schon beim Betreten des Geländes bemerke ich bekannte Blicke, denen generell in der Yogaszene oft begegne: erstmal die Mala checken, die um den Hals des anderen hängt. Leggings oder Haremshose? Tattoos oder Klebebindi? PET-freie Plastikflasche oder Glasflasche für 34.99€, in der das Wasser energetisiert bleibt? Es dauert keine zwei Minuten, schon habe ich kurz das Gefühl, doch einen ganz normalen Alltag zu erleben. Es wird verglichen und begutachtet. Alle scheinen noch etwas unsicher auf den eigenen Füßen zu sein. Wer bin ich auf diesem Festival? Was ist mein Platz?

Liebe schenken – oder der schmale Grat, authentisch zu sein

Vielleicht lag es daran, dass auch ich erstmal ankommen musste. Doch die erste Stunde, die ich mit rund 300 anderen Gästen besucht habe, brachte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn die Yogaszene ist auch eine Marketing-Szene. Liebe und vor allem Selbstliebe werden quasi verkauft, verschenkt und mit einem Räucherstäbchen besiegelt. Dass Yoga mittlerweile viele Stile entwickelt hat, finde ich großartig. Es gibt mehr als nur dogmatisch unterrichteten Yogaunterricht, klassisch und gradlinig, sondern jede*r Lehrer*in bringt den ganz eigenen Stil mit in die Stunde. Wenn ich mich aber circa 20 Minuten ausschütteln soll, um mich zu lockern, kommt bei mir nicht das richtige Gefühl auf. „Iccchhhh lockere mich“… dabei fällt mir auf, dass man bitte keine Konsonanten langziehen soll. Am Ende der 90 Minuten fühle ich mich ein bisschen ich weiß nicht wie. Ich schaue mich um und merke, dass es nicht nur mir so geht –  aber viele sind ganz gerührt und umarmen sich. Bin ich altmodisch? Steh ich nicht auf „Liebe verschenken“ und sich mal richtig „abschütteln“? Was da los?

Xperience WildYoga Kopfstand

Xperience bedeutet „Erfahrung“

Es wäre nicht fair, das Yogafestival nun an diesem Erlebnis zu bemessen. Und auch völlig einseitig. Denn das Xperience steht für Vielfalt und Austausch. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Erfahrung“, „Erlebnis“, „Praxis“ und „Routine“. Also das, was Yoga beinhaltet. Die Erfahrung vom Selbst und von anderen, von dem, was in einem geschieht, wenn man sich ein wenig für neues öffnet. Doch damit dieses neue bei mir ankommt, ist es für mich immer wichtig, dass die Menschen authentisch sind. Dieses Wort wirkt schon abgegriffen, völlig verbraucht. „Authentisch“. Dann begegnet man Yogalehrern wie Petros Haffenrichter und plötzlich fällt einem wieder ein, was man mal damit verbunden hat, wenn man sagt, dass jemand authentisch sei. Petros Haffenrichter unterrichtet Jiva Mukti. Für mich sind die JivaMuktis ein bisschen wie die Rockstars in der Yogaszene. Unverfälscht und ungeschönt. In der ersten Yogastunde bei Petros fließt der Schweiß und ich habe mehr als einmal das Bedürfnis, aufzugeben. Raus aus dem Hüftöffner, denn meine Muskeln beginnen zu brennen. Es wird ungemütlich. In mir. Und ich merke, dass sich dabei das authentische öffnet: da ist kein Platz mehr für Glitzer oder lange Konsonanten. Es wird pur und erfahrbar. Dabei ist es zwar einerseits die körperliche Anstrengung, die mich herausfordert, aber es ist noch mehr. Petros sagt, dass Yoga mehr sei als „ein Yogaschleifchen auf den Kopf setzen und Räucherstäbchen anzünden“. Und während ich da atme und schwitze, mache ich eine Erfahrung von mir selbst, die neu ist. Ich ärgere mich nicht mehr über „verschenkte Liebe“ oder das Schütteln von der vorherigen Yogastunde, sondern bin im Moment und begreife mich ein Stückchen mehr.

Bine Qi Gong Jang Ho Kim

Qi Gong ist was für Alte…?

Das tolle an einem Yogafestival ist das große Angebot. Man hatte die Qual der Wahl: AcroYoga oder Qi Gong? Meine erste Wahl fiel auf AcroYoga. Wir waren zu zweit auf dem Festival und auch meine Begleitung hatte Lust auf AcroYoga. Trotzdem entschieden wir uns für Qi Gong, da ich mir sicher war, es privat vermutlich niemals auszuprobieren. Und diese Entscheidung war bahnbrechend. Ich dachte vorher immer, dass Qi Gong etwas für Alte sei, die sich nicht mehr richtig bewegen können. Jang-Ho Kim leitete den Workshop und während ich da so floss und das Qi gleiten ließ, passierte es wieder: der Moment war ganz da, ich fühlte mich richtig und genoß die Langsamkeit in den Bewegungen. Eye-opening! Sich zu trauen, einfach mal die eigene Energie zu spüren, ohne viel Geschwurbel drumherum und ohne viel Esoterik. Stattdessen mit einer Priese Humor. Jang-Ho Kim slamt durch die Stunde, manche müssen vor Rührung weinen, andere lachen. Jeder sieht tänzerisch aus und ich mag es, wenn Menschen vergessen, wie sie sich bewegen sollten und neues ausprobieren. Es fließen lassen. In mir selbst spüre ich eine Ruhe, ein bisschen wie Ankommen. Aus der Stunde nehme ich vor allem ein bisschen mehr von mir mit. Ein weiterer Wegweiser Richtung „meinen Weg„.

Der Marktplatz: ein Ort der Begegnung

Wie in jeder Stadt gibt es auch auf dem Xperience Yogafestival einen Marktplatz. Besser gesagt: eine Marktwiese mit Apfelbäumen. Wir verbringen jeden Tag unsere Pausen hier, schnacken mit Standbesitzer*innen und sprechen darüber, was Spiritualität bedeutet, ob wir Religion brauchen oder nicht und dass wir an unserem Lieblingsstand wie jeden Tag die Kleiderstange mit dem Schild „Sale“durchschauen wollen. Es stellt sich eine Vertrautheit ein, ein Mikrokosmos. Ich persönlich steh extrem auf das kleine Zelt, in dem selbsthergestellte Öltinkturen angeboten werden. Der Verkäufer spielt mit einer Feder im Haar auf einer Flöte. Klingt klischeehaft? Ist es eigentlich gar nicht. Sondern sehr echt. Wie das Zelt mit dem Räucherwerk und den handgesammelten getrockneten Kräutern. Während ich das schreibe merke ich, dass ich es vermisse. Ich stelle mir vor, so würde der Wochenmarkt aussehen und überlege, wie ich „meinen Weg“ dorthin wohl finde. In dieses leicht verzauberte, trotzdem reale. Wo Menschen wie Lucie Beyer auf einen zukommen und man spontan doch ein wenig AcroYoga macht.

AcroYoga mit Lucie Beyer

Auf dem Marktplatz treffe ich außerdem endlich Daniela Singhal. Wir haben uns vorher schon einige Zeit virtuell ausgetauscht, es aber bis dahin noch nicht geschafft, uns zu treffen. Ein bisschen in Eile treffen wir sie mit Artemis. Sie werden gemeinsam einen Workshop zum Thema „Menstruation und der Mondzyklus“ geben. Ich ärgere mich, nicht genug Zeit zu haben, ein wenig zu schüchtern zu sein und ein bisschen was auch immer. Denn ich glaube, dass diese Frau sehr inspirierend ist und ich bin gern mit Menschen zusammen, die authentisch inspirierend sind. Außerdem interessiert mich das Thema. Ich nehme mir vor, sie mal zu besuchen. Eine Begegnung auf meinem Weg.

Musik zwischen Loopstation, Beatbox, Mantras und Folk

Die einen heizen mit Beats das Zelt auf, die wir noch später bis in unsere Pension hören werden. Die anderen überziehen eine Stunde, ein bisschen wie im Rausch – entweder im Rausch der Mantras, die sie gesungen haben oder im Rausch des Applauses.

Imponiert haben mir Rising Appalachia. Sie sind Musikerinnen und Aktivistinnen, sie waren bei den Protesten um Standing Rock dabei und reisen nachhaltig. Ihr Backstage-Catering ist ganz im Sinne von „slow music movement“ aus regionalen Angeboten hergestellt.

“It’s our effort to take the glitz and glam out of the music industry and bring performance back to its roots- that of public service. A service where musicians are not just part of fast-paced entertainment world, but instead influence the cultural shift as troubadours, activists, story tellers, and catalysts of justice.”

Spontan holen sie jemanden mit Flöte auf die Bühne. Sie jammen spontan zusammen. Er, der mit den Gesichtstattoos und die Schwestern mit ihrer Band.

Anwendbare Spiritualität

Es gibt die einen, die Konsonanten lang ziehen und die anderen, die dir einen knallharten Realitätscheck liefern. Ich persönlich mag das pure lieber. Bedingungslos. Denn das empfinde ich als Liebe. Ungeschönt und echt. Und aus dieser bedingungslosen Liebe entsteht dann auch der Wunsch, Dinge zu verbessern. Ich finde es toll, wenn sich Menschen auf den Weg machen und ihre Spiritualität entdecken. Schade finde ich es, wenn sie sich darin zurückziehen. Im schlimmsten Falle ein „Yogaschleifchen aufsetzen“ und Menschen in einem unterkühlten Zelt in Yogapositionen bringen, bei denen Fortgeschrittene ächzen. Es kommt bei mir nicht an, aber ich halte mich nicht für den Maßstab aller Dinge. Vielmehr glaube ich an Diversität. Und es gibt sicherlich genügend Menschen, die auf „juicy“ Posen stehen. Auf das leicht kitschige. Auf Zuckerguss eben. Ich steh auf Erde auf meinen Möhren. (Und das ist keine Metapher…) – vielleicht macht unser Weg eben auch das aus, was wir nicht wollen. Den Begegnungen, die wir flüchtig machen und weiterziehen. Und denen, die wir als Weggefährten wählen.

Deswegen glaube ich, dass „dein oder mein Weg“ bereits begonnen hat. Wir gehen ihn bereits und müssen uns lediglich immer wieder entscheiden, wie wir gehen wollen. Eine grobe Richtung ist dabei das Gefühl in uns: fühlt es sich richtig an? Fühlen wir uns wohl? Sind wir herausgefordert? Oder unterfordert? Das schwierigste mag dabei manchmal sein, auch für das einzustehen, was wir als gut und richtig empfinden und den nächsten Schritt zu machen. Für die Momente, in denen ich mich vielleicht gelähmt fühle, kenne ich jetzt auf jeden Fall ein wenig Qi Gong, um mich selbst wieder in den Fluss zu bringen.

 

Yoga gegen Panikattacken

Yoga gegen Panikattacken

Es ist ein sonniger Morgen. Alles scheint entspannt. Und aus der Tiefe meiner Eingeweide beginnt es langsam zu klingeln. Mittlerweile ist es anfangs eine Art leises Signal, das unter Umständen zu einer ausgewachsenen Panikattacke werden kann. Seit über 20 Jahren wallen diese Gefühle der Angst, Beklemmung, des Kontrollverlustes und der Befürchtung, nun völlig üü zu sein, hoch. Mit 12 das erste Mal. Damals dachte ich, ich müsste sterben. Heute denke ich es noch immer, weiß es aber besser. Yoga hat mir geholfen, aus meiner Angststörung herauszufinden und Panikattacken zu minimieren und auch durchzustehen.Yoga und Panikattacken

Help, I need somebody! – Panikattacken verstehen

Laut Andreas Stöhle, Psychiater und Leiter der Arbeitsgruppe für Angststörungen der Charité in Berlin, erlebt jeder fünfte Mensch in Deutschland eine Panikattacke. Bei etwa vier Prozent entwickelt sich eine Angststörung. Aber was ist das eigentlich, diese Panikattacke?
Rein wissenschaftlich ist sie ein Fluchtreflex, der uns, als wir noch in den Wald gekackt und dabei eventuell von einem wilden Tier hätten gefressen werden können, geholfen hat, zu überleben. Der Körper wird kampf- und fluchtbereit gemacht (fight or flight), indem der Herzschlag beschleunigt und die Muskeln mit Adrenalin versorgt werden. Die Atmung wird schneller und flacher. Bei einer Panikattacke können dabei noch Übelkeit, Schwindel, Enge in der Brust und weitere Symptome auftreten. Falls du unter Panikattacken leidest, kann es also sein, dass du dabei völlig individuelle Symptome bei dir bemerkst.
Nun ist dieser Fluchtreflex aber in Situationen, die völlig harmlos sind, prinzipiell überflüssig und man hat das Gefühl, sie kommen aus dem Nichts oder aber man kennt genau die Situationen, in denen sie gehäuft auftreten. Frage dich aber zunächst: ist es wirklich die Situation, die die Panik auslöst oder hast du Angst, dass du in dieser Situation eine Attacke bekommst? Gefühle wie Scham verschlimmern meist nur die Situation. Meine letzte Panikattacke hatte ich an einem Bahnhof. Nachdem ich erst versucht hatte, völlig normal zu wirken, merkte ich, dass das alles nur schlimmer macht. Also habe ich mich auf den Boden gesetzt, an einer Stelle, die aus irgendeinem Grund „richtig“ erschien und die Augen geschlossen. Wenn du weißt, was dir während einer akuten Panikattacke gut tut, tue es. Du brauchst dich für nichts zu schämen.

Wenn sich die Seele entlädt

Oftmals ist eine Panikattacke eine Möglichkeit, inneren Druck zu entladen. Das kann ganz akute Ursachen haben (Menschenmassen, akute Überforderung, übersteigerte Angst vor einer akuten Situation) oder aber eine spontane Reaktion auf ein vergangenes Ereignis sein. Wie bei einem Burn-Out ist die Seele überlastet, wir sind es aber gewohnt, dennoch weiter zu machen. Kleine Anzeichen wie Unruhe oder Schlaflosigkeit werden missachtet und schließlich kommt es zu einer Art körperlichen Reaktion auf die seelisch-psychische Überbelastung. Meistens dauert der Zustand einer Panikattacke nur wenige Minuten bis zu einer halben Stunde. Unter Umständen kann aber das Gefühl der Angst noch länger dauern. Ähnlich wie bei einem Erdbeben gibt es erst die große Erschütterung, kleinere Nachbeben und dann das Erholen von diesem Beben. Da die körperlichen Reaktionen zuweilen sehr anstrengend sein können, braucht es ein wenig, um wieder klar zu werden. Denn auch, oder vor allem der Geist spielt bei einer solchen Attacke verrückt: wenn sich der Herzschlag beschleunigt kommen Gedanken wie „Oh nein, jetzt geht eine Panik los…“ oder „Hab ich einen Herzinfarkt?“, auf. Dadurch steigert sich die Unruhe und eine Spirale beginnt, bei der sich körperliche und psychisch-seelische Reaktionen gegenseitig bedingen. Als ich das allererste Mal eine Panikattacke hatte dachte ich vor allem „Ich will, dass es aufhört! Wird es jemals aufhören? Bin ich jetzt verrückt? Was ist das?!“. Das Gefühl, komplett die Kontrolle über den Körper und Verstand zu verlieren, ist beängstigend und zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich hatte danach natürlich Angst, in die Schule zu gehen. Was wäre, wenn ich dort eine Panikattacke kriegen würde? Long story short: ich verbrachte etwa 6 Jahre der Schule damit, keine Panik zu schieben und den Unterricht durchzustehen. „Noch 45 Minuten…noch 30…noch 20….noch 10…“ usw. Und das jede Stunde. Ich machte mein Abi und dachte, dass ich dann endlich entspannen könnte. Das war natürlich nicht so. Stattdessen zog ich mich zurück und mied Menschen. Erst als ich 2012 mit Yoga anfing begriff ich langsam, was sich da abspielte.

Werde Beobachter

Ja, ich habe noch Panikattacken und ja, die sind dann trotzdem noch out of control. Je nach Intensität der Attacke und je nachdem, wo ich mich befinde, stehe ich sie entweder durch, sitze sie ab oder überbrücke mit einer Tablette pflanzlicher oder verschreibungspflichtiger Natur. Doch eines hat sich drastisch verändert: ich kann die Panik nun beobachten. Durch Yoga verstand ich, dass ich nicht Panik bin sondern habe. Und ich kann die Situation mit Abstand betrachten, von außen drauf schauen und ruhig handeln. Anstatt panisch auf die Panik zu reagieren, überlege ich: was würde mich gut tun? Was kann ich jetzt gerade tun? Reicht atmen? Spüre ich den Boden unter meinen Füßen? Kann ich noch klar denken? Kann ich mich entziehen? Wie lange dauert die Situation noch? Wem kann ich bescheid sagen? Brauche ich Nähe? Es ist ein taktisches Vorgehen, das einem die Selbstbestimmtheit trotz Kontrollverlust wiedergibt. Und dann, wenn die Situation überstanden ist und ich mich wieder in Sicherheit fühle, frage ich mich: what the fuck? Woher kam das? Denn Panikattacken sind Signale, das etwas nicht stimmt. Das kann etwas sehr Oberflächliches sein, dass einen triggert, weil man früher unter Panikattacken litt und der Körper lediglich daran erinnert wird, wie er damals reagiert hat, oder aber etwas, das sich momentan ganz und gar nicht richtig anfühlt. Trau dich also, nachzuforschen. Wie Ana. T. Forrest Sagt:

„Never waste a good trigger!“

Triggerpunkte

Auslöser, sogenannte Triggerpunkte, können sehr unterschiedlich sein. Gefühle, Gedanken, Situationen, Gerüche… daher ist es sehr wichtig, dass du für dich auf die Suche gehst. Yoga kann dir dabei helfen, auf dieser Suche ruhig und klar zu bleiben und immer wieder zentriert zu werden. Dein „wahres Selbst“ ist frei von Panik, mit ihm kannst du dich erforschen, ohne Angst haben zu müssen, hinter der nächsten Ecke etwas zu sehen, was dieses Selbst erschüttert. Dieses „wahre Selbst“ würde ich deine tiefe, wilde Natur nennen. Sie ist frei von Sorge, Angst oder gar Panik. Sie ist das, was dich in dir festhält, worauf du vertrauen kannst. Während der Geist schnattert und dich in die schlimmsten Horrorszenarien reinquatscht, ist es deine ruhige, tiefe Natur, die sich das Schauspiel ansieht und dann fragt: was war das? Was stimmt hier nicht?

Yoga gegen Panikattacken

Es kommt nichtmal so sehr darauf an, welchen Yogastil du praktizierst: Yoga gegen Panik ist ein wunderbares Mittel. Du lernst wieder tief zu atmen, so dass dein Körper im Allgemeinen entspannter wird und die flache Atmung wieder verlernt. Yoga hilft dir, wieder Vertrauen zu dir selbst aufzubauen und in Kontakt mit deinen Körper zu kommen. Denn während einer Panikattacke kommt schnell das Gefühl auf „Was macht mein Körper da mit mir?“. Nach nur kurzer Zeit mit Yoga wirst du feststellen, dass du verbundener mit deinem Körper bist, als du denkst, und dass er das tiefe Bedürfnis hat, mit dir und nicht gegen dich zu arbeiten. Dein Körper möchte, dass es dir gut geht. Geh nicht so hart mit ihm ins Gericht, wenn er während einer Panik nicht so recht weiß, was er da tut. Eine fließende Praxis hat mir geholfen, durch eine Panik zu fließen. Es fühlt sich dann mehr an, als würde man surfen. Und jede Welle ist einmal vorbei. Danach kannst du durchatmen. Kämpfe nicht gegen diese Welle an, sondern werde weich und lass sie fließen. Du erschöpfst dich nur, wenn du versuchst, gegen diesen Strom zu schwimmen.

Das Gefühl von Enge ist außerdem ein Punkt, an dem Yoga gegen Panikattacken ansetzen kann. Eine regelmäßige Praxis hilft dir, die Ursachen für die Panikattacken zu erforschen, während du bestimmte Asanas in akuten Situationen anwenden kannst. Das muss nichts großartiges sein, aber wenn du es schaffst, deinen Brustkorb während einer Panikattacke wieder zu öffnen, bist du einen Schritt weiter, die Kontrolle zurück zu erlangen. Stelle dich in die Baumposition, die Füße fest mit dem Boden verbunden und hebe dein Brustbein. Deine Schulterblätter fallen locker nach hinten unten. Spüre kurz, wie weit sich dein Brustkorb öffnen lässt und dann umarme dich selbst. Greife mit den Armen um dich und gebe dir selbst das Gefühl der Geborgenheit. 

Lerne, die Wellen zu reiten und dich durch eine Panik zu atmen.

Erinnere dich die ganze Zeit daran, dass alles gut ist. Du bist in Sicherheit und dein Körper und Geist spielen nur jetzt gerade verrückt. Es gibt nichts, wofür du dich schämen müsstest.

Yoga für Einsteiger

Yoga – die ersten Schritte

Bevor ich anfange darüber zu sinnieren, warum man Yoga machen sollte und dir ein paar Tipps mitgebe, wie du den richtigen Einstieg schaffst, möchte ich einen sehr hartnäckigen Glaubenssatz aus dem Weg räumen: „Ich bin nicht gelenkig genug, um Yoga zu machen.“, das ist in etwa so, als würdest du sagen „Ich bin zu dreckig zum Duschen“.
Also lass die Selbstzweifel hinter dir und begebe dich auf die wundervolle Reise des Yoga.

Welcher Yoga-Stil passt zu mir

Du hast dir also ganz motiviert eine Yogamatte gekauft und möchtest durchstarten. Du gibst bei google „Yogastudio“ ein und bekommst eine Fülle von Angeboten um die Ohren geknallt. Doch welcher Yoga-Stil ist denn nun der richtige?
Zunächst solltest du, falls du eine Vorerkrankung hast, mit einem Arzt abklären, ob du etwas beachten solltest. Wenn du beispielsweise einen Bandscheibenvorfall hattest kann eine Power-Yogastunde überfordernd sein.
Hier die bekanntesten Yoga-Stile:

  • Ashtanga Yoga. Oftmals wird er auch als „Power-Yoga“ bezeichnet, da es sehr fordernd ist. Es werden feste Sequenzen mit passender Atmung geübt. Wenn du bereits fit bist, kann dir Ashtanga viel Spaß machen.
  • Vinyasa Flow. Ich liebe den Flow. Manche raten von Vinyasa ab, da es um fließende Bewegungen geht, die selten gehalten werden und damit ein relatives Verletzungsrisiko besteht. Aber es gibt viele großartige Flows für Anfänger und besondere Achtsamkeit, so dass der Stil sehr meditativ wirken kann.
  • Jivamukti. Die Gründer von Jivamukti haben sich die Befreiung des Selbst zum Ziel gesetzt und das soll mit Musik, Asanas, Meditation und einer gegangen Ernährung passieren. Es gibt in den Studios Stunden für absolute Anfänger, also: perfekt!
  • Hatha Yoga, bzw. Integraler Yoga nach Sivananda. Hatha-Yoga bedeutet, die Stellungen lange zu halten. Im integralen Yoga nach Sivananda kommen allerdings innerhalb der Stunde noch Entspannungen, Meditation und Atemübungen (sogenanntes „Pranayama“) hinzu, was mich damals sehr erfüllt hat. Hier habe ich meine Ausbildung gemacht und empfand die Reshikesh-Reihe, die dort geübt wird, als gute Basis.
  • Yin-Yoga. Hier werden die Asanas entspannt mit Hilfsmitteln gehalten, dabei werden oftmals Geschichten vorgelesen, Musik gespielt oder mit Affirmationen gearbeitet. Yin Yoga bietet sich meiner Meinung nach perfekt für Anfänger an, da du so lernst, dich auf deinen Körper zu konzentrieren und in eine sanfte Dehnung gebracht wirst. Allerdings werden hier keine Muskeln gestärkt. Urban Yoga

First things first

Du hast dir nun also die fünf Yoga-Stile vor dir. Überlege dir also, warum du Yoga üben möchtest. Fitness? Entspannung? Möchtest du gelassener im Alltag werden oder deine Spiritualität neu entdecken?
Es kommt natürlich auch noch auf das Studio und die Yogalehrer*Innen an. Viele entwicklen nach einiger Zeit ihren eigenen Stil im Stil. Ich persönlich kann gar nicht singen, deswegen lasse ich es – auch in meiner Yogastunde. Stattdessen übe ich eine Mischung aus Hatha und Vinyasa, da mir beides sehr gut gefällt. Schau also in den Beschreibungen der Kursleiter*Innen, wo sie gelernt haben, was ihren Stil heute ausmacht und welche anderen Qualifikationen sie noch haben und was zu deinen persönlichen Wünschen passt. Es gibt in jedem Studio die Möglichkeit, besonders als Yogaanfänger eine Probe-Stunde mitzumachen. Natürlich ist die erste Yogastunde immer etwas besonderes: man ist vielleicht sogar etwas aufgeregt (ich war aufgeregt as fuck!) und alles ist noch neu. Aber man spürt intuitiv, ob man sich wohl fühlt oder lieber weiterziehen möchte. Damit du aber erstmal das kleine Einmaleins des Yogastudios kennst, hier ein paar Verhaltenstips:

  • Informiere dich vorher, ob du deine eigene Matte mitbringen musst. Studios bieten manchmal ihre eigenen Matten an, bei anderen kann man sie gegen Aufpreis ausleihen. Achte also darauf, dass du nicht plötzlich unten ohne dastehst.
  • Bring dir Wasser mit, ohne Kohlensäure und in einer Flasche, die leise schließt. Du solltest in einer Stunde nicht direkt einen Liter wegkippen, da der vielleicht bei Übungen auf dem Bauch ungeachtet Wege gehen könnte. Aber besonders bei Ashtanga und Vinyasa ist ein kühles Schlückchen zwischendurch sehr empfehlenswert. Und nach dem Yoga solltest du gerne einen Liter tanken.
  • Je nachdem, wie stark du schwitzt, kannst du dir ein Handtuch mitbringen. Das muss kein Hightech-Dingen sein. Es geht nur darum, dass du auf der Yogamatte nicht durch die Gegend flutscht.
  • Iss zwei bis drei Stunden vorher nichts oder nur eine Kleinigkeit. Wie auch Wasser bahnt sich der Verdauungsbrei sonst seinen Weg.
  • Komme etwas eher, so dass du dich orientieren kannst und sicher pünktlich im Raum bist. Solltest du zu spät kommen, schau, ob es einen späteren Einlass gibt. Die meisten Stunden beginnen mit einer Anfangsentspannung oder Meditation, wenn du also mittendrin reinplatzt, ist es für alle unangenehm. Wenn du dir nicht sicher bist, lausche an der Tür, du wirst hören, was gerade passiert und ob du herein kannst oder lieber nicht.
  • Lasse dein Handy draußen, mache keine fancy Instagram-Fotos währenddessen, gehe nicht über Los oder fremde Yogamatten und vermeide das Mitschneiden durch Ton- oder Filmaufnahmen.

Du kannst dir im Anschluss Notizen machen oder unauffällig während der Stunde, wenn du Übungen Zuhause nachschauen möchtest.

Yoga Notizen

Qualität und Quantität

Beim Yoga kommt es sowohl auf die Qualität an, als auch die Quantität. Das richtige Maß zu finden ist als Yogaanfänger eine der ersten Aufgaben. Denn es gibt viele Formeln, aber jeder Körper ist individuell. Das wichtigste ist also zu lernen auf den Körper zu hören. Als Basis kann man aber sagen, dass 2-3 Yogaeinheiten die Woche gut sind. Wenn du also einmal in der Woche in ein Studio gehst, lasse dir einen oder zwei Tage Pause dazwischen und übe dann zuhause. Du kannst natürlich die Häufigkeit steigern, sobald deine Muskeln dazu bereit sind. Oder du wechselst die Stile ab: zwischendurch Yin Yoga kann unfassbar entspannend wirken! Yogaanfängern rate ich, eine Regelmäßigkeit zu finden, die sich in den Alltag integrieren lässt. Schließlich soll es keine „Crash-Diät“ sein, sondern eine langfristige Bereicherung.
Auch die Qualität ist wichtig. Achte stets darauf, dass du keine Schmerzen hast. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Dehnungsschmerz und einer drohenden Verletzung. Ein spontaner Stich, ein Brennen oder Schmerzen in Gelenken sind ein Zeichen dafür, dass du den Körperbereich überlastest. Achte stets auf solche Signale.

Es geht im Yoga nicht darum, besser zu werden. Du bist bereits vollkommen.Yoga hilft dir lediglich, dich daran zu erinnern.

Passe die Asanas deinem Körper an

Gehe niemals weiter, als es dein Körper zulässt. Das führt lediglich zu langfristigen Schäden. Besonders die Wirbel und Knie sind empfindliche Stellen, die gerne mal überdehnt werden. Man sieht auch ständig extrem krasse Asanas und fühlt sich vielleicht motiviert, direkt in Woche zwei in den Spagat zu springen. Yoga aber braucht Zeit. Es geht nicht darum, möglichst schnell an das Ziel zu kommen, sondern den Weg zu genießen.

Last but not least: lache. Wie oft ich in ein Bücherregal gekracht bin, als ich den Kopfstand geübt habe, wie viele Menschen schon laut gefurzt haben in der Yogastunde und wie häufig man ungalant auf den Arsch fällt. Das ist völlig normal. Manchmal fühlst du dich feengleich und am nächsten Tag wie der Elefant im Porzellanladen. Du wirst nach der Zeit merken, dass dein Körper einen Rhythmus hat, was es wann bedeutet, welche Asanas du gut einnehmen kannst oder wann du Widerstände spürst. All das gehört zum Yoga. Das sind die Dinge, die in dir vorgehen und die nur sekundär mit den Körperstellungen zu tun haben.