Yoga bei PMS und während der Periode

Der Artikel schwebte mir irgendwie schon lange im Hinterkopf. Yoga bei PMS und während der Periode. Auf Pinterest gibt es zwar schon unzählige Grafiken dazu, aber warum sollte ich nicht auch meinen Senf dazu geben? Inspiriert von der wunderbaren Daniela von Leuchtende Kriegerin habe ich mich also hingesetzt, um über die Zeit vor und während der Blutung zu schreiben, in der menstruierende Menschen* angeblich überempfindlich und nicht ganz sie selbst sind.

Was genau ist PMS?

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) bezeichnet einen Komplex von Symptomen, die sowohl körperlich, psychisch als auch seelisch sein können. Die Liste von diesen Symptomen ist lang und lässt jedes Pharmazeutika-Herz höher schlagen: von Schmerzen unterschiedlicher Art (Brust, Rücken, Kopf) hin zu Übelkeit, Blähbauch, Abgeschlagenheit auf der körperlichen Ebene und/oder depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Reizbarkeit auf der emotional-psychischen Ebene. Natürlich gibt es zu allem eine Tablette oder Tropfen, denn viele Menstruierende sind stark in ihrem Alltag eingeschränkt, wenn sie unter dem prämenstruellen Syndrom leiden. Natürlich, denn das heutige Leben nimmt leider nicht so viel Rücksicht darauf, in welcher Phase unseres Zyklus´ wir uns befinden. Dabei leiden rund 75% der Frauen* unter PMS. Die Dauer und Ausgeprägtheit kann dabei stark variieren. Während manche Frauen bis zu 14 Tage mit PMS zu kämpfen haben und sich durch die Tage schleppen, spüren andere vielleicht über zwei, drei Tage ein Ziehen in der größer werdenden Brust.

Außerdem setzt jetzt das Gefühl ein, dass man immer schwammiger, aufgeblähter, voluminöser (mir fallen noch zig andere Wörter dafür ein) wird. Nicht nur, dass jegliche Schokoladen- oder Eisvorräte vernichtet werden, der Heißhunger kann teilweise monströse Ausmaße annehmen. Dabei ist vor allem das Anschwellen der Gebärmutter aber der Grund, warum die Hose vermutlich etwas enger geworden ist, und nicht der Pott Eis…

Vom Regen in die Blutung

Ist dann diese Zeit überstanden, folgt die Blutung. Bei manchen Menschen ist damit der Spuk vorbei und mit dem Menstruationsblut verlässt auch der Dämon „Reizbarkeit“ oder „depressive Verstimmung“ den Körper. Bei anderen hingegen kommen nur weitere Symptome hinzu. Starke Schmerzen im Unterleib und Schwindel sind nicht selten und werden allzu häufig als „das ist halt so“ hingenommen, mit einer Tablette weggeschluckt und führen oftmals, besonders bei jungen Frauen dazu, dass die Menstruation gänzlich gehasst wird. Ich möchte nicht zu weit ausholen, aber nicht nur die Symptome, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Beschwerden sind oft ein Auslöser dafür, dass Frauen ihren Körper und die damit verbundenen Wunder ablehnen. Denn wenn man sich trotz Schmerzen in den Tag quält und sich vielleicht noch Sprüche anhören muss („Stell dich doch nicht so an.“ Oder „Die hat wohl ihre Tage“), setzt das auch der Seele zu. Viele greifen deswegen zur Pille und nehmen sie einfach durch. Am besten gar nicht bluten! Und schaden damit ihrem Körper und ihrem natürlichen Rhythmus.

Dabei muss es zum einen nicht so qualvoll sein, um zum anderen hilft ein Perspektivwechsel, um die Menstruation und PMS im anderen Licht zu sehen.

Die Körperintelligenz oder: Schluss mit Bullshit

Momentan kann ich leider meinen Körper nicht ganz so intensiv spüren, wie ich es sonst tue. Normalerweise müssten langsam die körperlichen Veränderungen einsetzen und auch meine Stimmung müsste sich ändern. Allerdings habe ich seit zwei Wochen entzündete Nerven in meinem Schulterbereich und bin voll auf Schmerzmittel, so dass offenbar meine Periode ausbleibt. Was tatsächlich nett ist von meiner Gebärmutter. Ich wüsste nämlich gerade nicht, wie ich das machen sollte: mein rechter Arm ist bewegungseingeschränkt und mein linker ist einfach zu doof, um eine Menstruationstasse adäquat einzusetzen. „Lass laufen“ war ein Rat, aber meine Menstruation hat ohnehin gern die gesamte Aufmerksamkeit und ist gewillt, noch ein paar Tage auf ihren Auftritt zu warten. Yoga bei PMS mache ich trotzdem, kann ja nicht schaden. Denn ich wollte hier gar nicht großartig Übungen vorstellen (mache ich aber am Ende des Artikels noch), sondern auf etwas anderes hinaus: was, wenn die Stimmungsschwankungen und die Reizbarkeit gar nicht die Ausnahme sind? Wir sind nicht „sensibler“, sondern geben uns einfach weniger Bullshit. Nicht unsere Stimmung ist falsch, sondern unser Körper weist uns darauf hin, was wir den restlichen Monat über ignorieren. Unser Geduldsfaden ist kürzer und das zu Recht, wenn du dir anschaust, was du dir die ganze Zeit über gibst: wie oft sagst du „ja“ obwohl du „nein“ meinst? Wie oft steckst du deine Bedürfnisse zurück? Wie oft gehst du über deine Grenzen? Vor und während der Periode solltest du also ganz genau darauf achten, welche Shit-Show du dir nicht mehr geben kannst und worauf du besonders allergisch reagierst.

Während der Menstruation sind wir im engen Kontakt mit unserem Körper und ich stelle die mutige Behauptung auf: wenn wir uns Zeit nehmen würden, in diesen Kontakt hineinzugehen, vor, während und nach der Blutung, müsste unser Körper gar nicht mit so starken Geschützen aufwarten, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen.

Es ist ziemlich faszinierend, wenn man ein Tagebuch führt und das mal mit dem Menstruationskalender abgleicht: die Gedanken, Probleme und Fragestellungen haben ebenfalls einen Rhythmus. Ohne es mitzukriegen, bearbeiten unser Körper und unser Mind unsere Angelegenheiten und wir beschweren uns, dass unser Kopf schmerzt. 

Natürlich haben viele Symptome auch einfach körperliche Ursachen. Die Hormone durchfluten unseren Körper und die Gebärmutter wächst und auch krankhafte Veränderungen können zu Schmerzen und Unwohlsein führen. Es macht auf jeden Fall Sinn, bei starken, wiederkehrenden Beschwerden eine*n Gynäkolog*In aufzusuchen. Lass dich dabei aber bitte nicht mit der Pille abspeisen. Noch immer gibt es viele Ärzte/Ärztinnen, die in der Pille das absolute Wundermittel sehen. Ich selbst musste sie nie nehmen, habe aber in meinem Umfeld keine einzige Frau, die gern die Pille genommen hätte, da die Nebenwirkungen einfach zu stark waren.

Yoga gegen PMS und Menstruationsbeschwerden 

Welche Übungen sind nun also gut, um körperliche oder auch seelische Symptome vor und während der Menstruation zu lindern? 

Zunächst wäre da die Fuckasana. Der Mittelfinger. Sag einfach mal „nein“, wenn es dir nicht gut geht und ziehe Grenzen. Setz dich selbst an die erste Stelle und kümmere dich um deine Bedürfnisse. Das klingt narzisstisch, ist aber unfassbar gesund, wenn du wieder mit deinem Körper in Kontakt kommen willst. In einen friedlichen. Viele Frauen berichten, wie sich ihre Menstruationsbeschwerden verabschiedet haben, als sie sich aus einer emotional erdrückenden Beziehung verabschiedet haben. 

Aber es gibt auch Asanas, die beispielsweise den Beckenboden entspannen. Wie der liegende Schmetterling (hört sich nicht nur süß an, ist es irgendwie auch), bei dem du dich auf den Rücken legst und deine Fußsohlen zusammenbringst, so dass deine Knie nach außen fallen. Das entlastet den unteren Rücken und hilft deinem Beckenboden, weicher zu werden. Auch der Wechsel zwischen Katze und Kuh kann Schmerzen im Rücken und Unterleib lindern. Im Vierfüßlerstand wechselst du dabei zwischen einem Buckel und Hohlkreuz und rollst vom Becken aus über die gesamte Wirbelsäule von einem Tier zum anderen. Wenn du dich dann nach hinten sinken lässt, kommst du in die Stellung des Kindes und kannst deinen gesamten Körper loslassen.

Manche Menschen finden während der Periode Umkehrstellungen unangenehm, andere finden sie super, um für eine Zeit den Druck aus dem Becken zu nehmen.

Wichtig ist, dass du auf deinen Körper hörst. Vielleicht möchtest du lieber nur meditieren oder nur Netflix schauen, vielleicht hast du Bock auf eine anstrengende Ashtanga-Session. Lass dich nicht von Regeln aufhalten, sondern gehe in Kontakt mit deinem Körper, um herauszufinden, was euch beiden helfen würde.

Happy PMS!

 

*ich schließe hier auch Menschen ein, die sich nicht als (Cis)Frau definieren.