Yoga bei PMS und während der Periode

Der Artikel schwebte mir irgendwie schon lange im Hinterkopf. Yoga bei PMS und während der Periode. Auf Pinterest gibt es zwar schon unzählige Grafiken dazu, aber warum sollte ich nicht auch meinen Senf dazu geben? Inspiriert von der wunderbaren Daniela von Leuchtende Kriegerin habe ich mich also hingesetzt, um über die Zeit vor und während der Blutung zu schreiben, in der menstruierende Menschen* angeblich überempfindlich und nicht ganz sie selbst sind.

Was genau ist PMS?

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) bezeichnet einen Komplex von Symptomen, die sowohl körperlich, psychisch als auch seelisch sein können. Die Liste von diesen Symptomen ist lang und lässt jedes Pharmazeutika-Herz höher schlagen: von Schmerzen unterschiedlicher Art (Brust, Rücken, Kopf) hin zu Übelkeit, Blähbauch, Abgeschlagenheit auf der körperlichen Ebene und/oder depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Reizbarkeit auf der emotional-psychischen Ebene. Natürlich gibt es zu allem eine Tablette oder Tropfen, denn viele Menstruierende sind stark in ihrem Alltag eingeschränkt, wenn sie unter dem prämenstruellen Syndrom leiden. Natürlich, denn das heutige Leben nimmt leider nicht so viel Rücksicht darauf, in welcher Phase unseres Zyklus´ wir uns befinden. Dabei leiden rund 75% der Frauen* unter PMS. Die Dauer und Ausgeprägtheit kann dabei stark variieren. Während manche Frauen bis zu 14 Tage mit PMS zu kämpfen haben und sich durch die Tage schleppen, spüren andere vielleicht über zwei, drei Tage ein Ziehen in der größer werdenden Brust.

Außerdem setzt jetzt das Gefühl ein, dass man immer schwammiger, aufgeblähter, voluminöser (mir fallen noch zig andere Wörter dafür ein) wird. Nicht nur, dass jegliche Schokoladen- oder Eisvorräte vernichtet werden, der Heißhunger kann teilweise monströse Ausmaße annehmen. Dabei ist vor allem das Anschwellen der Gebärmutter aber der Grund, warum die Hose vermutlich etwas enger geworden ist, und nicht der Pott Eis…

Vom Regen in die Blutung

Ist dann diese Zeit überstanden, folgt die Blutung. Bei manchen Menschen ist damit der Spuk vorbei und mit dem Menstruationsblut verlässt auch der Dämon „Reizbarkeit“ oder „depressive Verstimmung“ den Körper. Bei anderen hingegen kommen nur weitere Symptome hinzu. Starke Schmerzen im Unterleib und Schwindel sind nicht selten und werden allzu häufig als „das ist halt so“ hingenommen, mit einer Tablette weggeschluckt und führen oftmals, besonders bei jungen Frauen dazu, dass die Menstruation gänzlich gehasst wird. Ich möchte nicht zu weit ausholen, aber nicht nur die Symptome, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Beschwerden sind oft ein Auslöser dafür, dass Frauen ihren Körper und die damit verbundenen Wunder ablehnen. Denn wenn man sich trotz Schmerzen in den Tag quält und sich vielleicht noch Sprüche anhören muss („Stell dich doch nicht so an.“ Oder „Die hat wohl ihre Tage“), setzt das auch der Seele zu. Viele greifen deswegen zur Pille und nehmen sie einfach durch. Am besten gar nicht bluten! Und schaden damit ihrem Körper und ihrem natürlichen Rhythmus.

Dabei muss es zum einen nicht so qualvoll sein, um zum anderen hilft ein Perspektivwechsel, um die Menstruation und PMS im anderen Licht zu sehen.

Die Körperintelligenz oder: Schluss mit Bullshit

Momentan kann ich leider meinen Körper nicht ganz so intensiv spüren, wie ich es sonst tue. Normalerweise müssten langsam die körperlichen Veränderungen einsetzen und auch meine Stimmung müsste sich ändern. Allerdings habe ich seit zwei Wochen entzündete Nerven in meinem Schulterbereich und bin voll auf Schmerzmittel, so dass offenbar meine Periode ausbleibt. Was tatsächlich nett ist von meiner Gebärmutter. Ich wüsste nämlich gerade nicht, wie ich das machen sollte: mein rechter Arm ist bewegungseingeschränkt und mein linker ist einfach zu doof, um eine Menstruationstasse adäquat einzusetzen. „Lass laufen“ war ein Rat, aber meine Menstruation hat ohnehin gern die gesamte Aufmerksamkeit und ist gewillt, noch ein paar Tage auf ihren Auftritt zu warten. Yoga bei PMS mache ich trotzdem, kann ja nicht schaden. Denn ich wollte hier gar nicht großartig Übungen vorstellen (mache ich aber am Ende des Artikels noch), sondern auf etwas anderes hinaus: was, wenn die Stimmungsschwankungen und die Reizbarkeit gar nicht die Ausnahme sind? Wir sind nicht „sensibler“, sondern geben uns einfach weniger Bullshit. Nicht unsere Stimmung ist falsch, sondern unser Körper weist uns darauf hin, was wir den restlichen Monat über ignorieren. Unser Geduldsfaden ist kürzer und das zu Recht, wenn du dir anschaust, was du dir die ganze Zeit über gibst: wie oft sagst du „ja“ obwohl du „nein“ meinst? Wie oft steckst du deine Bedürfnisse zurück? Wie oft gehst du über deine Grenzen? Vor und während der Periode solltest du also ganz genau darauf achten, welche Shit-Show du dir nicht mehr geben kannst und worauf du besonders allergisch reagierst.

Während der Menstruation sind wir im engen Kontakt mit unserem Körper und ich stelle die mutige Behauptung auf: wenn wir uns Zeit nehmen würden, in diesen Kontakt hineinzugehen, vor, während und nach der Blutung, müsste unser Körper gar nicht mit so starken Geschützen aufwarten, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen.

Es ist ziemlich faszinierend, wenn man ein Tagebuch führt und das mal mit dem Menstruationskalender abgleicht: die Gedanken, Probleme und Fragestellungen haben ebenfalls einen Rhythmus. Ohne es mitzukriegen, bearbeiten unser Körper und unser Mind unsere Angelegenheiten und wir beschweren uns, dass unser Kopf schmerzt. 

Natürlich haben viele Symptome auch einfach körperliche Ursachen. Die Hormone durchfluten unseren Körper und die Gebärmutter wächst und auch krankhafte Veränderungen können zu Schmerzen und Unwohlsein führen. Es macht auf jeden Fall Sinn, bei starken, wiederkehrenden Beschwerden eine*n Gynäkolog*In aufzusuchen. Lass dich dabei aber bitte nicht mit der Pille abspeisen. Noch immer gibt es viele Ärzte/Ärztinnen, die in der Pille das absolute Wundermittel sehen. Ich selbst musste sie nie nehmen, habe aber in meinem Umfeld keine einzige Frau, die gern die Pille genommen hätte, da die Nebenwirkungen einfach zu stark waren.

Yoga gegen PMS und Menstruationsbeschwerden 

Welche Übungen sind nun also gut, um körperliche oder auch seelische Symptome vor und während der Menstruation zu lindern? 

Zunächst wäre da die Fuckasana. Der Mittelfinger. Sag einfach mal „nein“, wenn es dir nicht gut geht und ziehe Grenzen. Setz dich selbst an die erste Stelle und kümmere dich um deine Bedürfnisse. Das klingt narzisstisch, ist aber unfassbar gesund, wenn du wieder mit deinem Körper in Kontakt kommen willst. In einen friedlichen. Viele Frauen berichten, wie sich ihre Menstruationsbeschwerden verabschiedet haben, als sie sich aus einer emotional erdrückenden Beziehung verabschiedet haben. 

Aber es gibt auch Asanas, die beispielsweise den Beckenboden entspannen. Wie der liegende Schmetterling (hört sich nicht nur süß an, ist es irgendwie auch), bei dem du dich auf den Rücken legst und deine Fußsohlen zusammenbringst, so dass deine Knie nach außen fallen. Das entlastet den unteren Rücken und hilft deinem Beckenboden, weicher zu werden. Auch der Wechsel zwischen Katze und Kuh kann Schmerzen im Rücken und Unterleib lindern. Im Vierfüßlerstand wechselst du dabei zwischen einem Buckel und Hohlkreuz und rollst vom Becken aus über die gesamte Wirbelsäule von einem Tier zum anderen. Wenn du dich dann nach hinten sinken lässt, kommst du in die Stellung des Kindes und kannst deinen gesamten Körper loslassen.

Manche Menschen finden während der Periode Umkehrstellungen unangenehm, andere finden sie super, um für eine Zeit den Druck aus dem Becken zu nehmen.

Wichtig ist, dass du auf deinen Körper hörst. Vielleicht möchtest du lieber nur meditieren oder nur Netflix schauen, vielleicht hast du Bock auf eine anstrengende Ashtanga-Session. Lass dich nicht von Regeln aufhalten, sondern gehe in Kontakt mit deinem Körper, um herauszufinden, was euch beiden helfen würde.

Happy PMS!

 

*ich schließe hier auch Menschen ein, die sich nicht als (Cis)Frau definieren.

Morgenrituale

„Meine Morgenroutine sieht so aus: ich sitze auf der Bettkante und wiege mich vor und zurück!“, dachte ich, als es in einer Instagramstory um morgendliche Rituale ging. Am nächsten Morgen dann machte ich eine verblüffende Entdeckung: ich habe meine ganz eigenen Rituale, die mich motivieren, zentrieren und vor allem auch gesund halten. Körperlich und mental. Jedenfalls so gesund es eben manchmal geht, wenn alles drunter und rüber läuft. Wie mein persönlicher Morgen so aussieht und warum ich immer nah dran bin, in einen Trott zu verfallen, erfährst du hier.

Erst Kaffee, dann Welt

Die meisten Menschen greifen direkt nach dem Aufwachen nach dem Handy. Dadurch, dass es für viele Wecker, E-Book und allgemeiner Nachrichtendienst in einem ist, ist die Versuchung groß, es direkt neben dem Bett liegen zu lassen. Was aber passiert, wenn wir, noch nicht ganz in der Welt, direkt Nachrichten checken? Unsere morgendlichen Rituale definieren, wie der restliche Tag wird. Natürlich nur als Basis, aber jeder kennt das Sprichwort „mit dem falschen Fuß aufstehen“. So können wir auch mit den falschen Nachrichten aufstehen. Wie viele Nachrichten vermitteln uns direkt am Morgen, dass wir a) durchgehend erreichbar sein müssen, b) unsere To-Do noch weiter gewachsen ist, c) sich jemand bei uns Luft machen und seinen Frust ablassen will? Leider zu viele. Kurz gesagt: direkt verkackt.

Ich habe mir angewöhnt, erst bei meinem ersten Kaffee Nachrichten zu checken. Und Kaffee ist mein erstes morgendliches Ritual. Danach bin ich bereit für die Welt. Es ist aber wichtig, dass ich den Kaffee nicht bis in die Ewigkeit in die Länge ziehe. Meistens bis zu einer Stunde gönne ich mir die Zeit, anzukommen, mir eventuell Notizen zu machen, was mich grad beschäftigt oder woran ich denken möchte, wenn ich wirklich richtig wach bin – nach meiner morgendlichen Routine. Da ich selbstständig bin, habe ich selten Termine am Morgen, die mich zwingen, im Büro zu sein. Um weiterhin eine Struktur zu haben, kam es also irgendwann zu dieser Stunde.

Mit Yoga in den Tag

Wenn nicht wirklich etwas anderes wichtiges ansteht, geht es dann ab auf die Matte. Bis zu 90 Minuten. Meistens aber, so unter uns, weniger. Bevor dann allerdings die Asanas losgehen wird geräuchert. Jeder kennt die Räucherstäbchen. Ich stehe auch auf Salbei und Sandelholz. Es macht die Yogasession einfach zu etwas besonderem. Zu einem Ritual. Für das ich mir Zeit nehme. Dabei setze ich entweder eine Intention für meine Praxis, lasse das, was ich mir beim Kaffee vorher aufgeschrieben habe, los oder aber spüre einfach bewusst in meinen Körper, was er heute brauchen würde.

Morgenrituale Räuchern

Danach können sehr unterschiedliche Dinge passieren. Vom Flow über intensives Muskeltraining bis hin zu meditativen Stretchings. Erlaubt ist, was gut tut. Dabei kehren manche Elemente immer wieder, weil ich im Laufe der Jahre gemerkt habe, dass sie meinem Körper oder Geist besonders gut tun.

Morgenrituale der Sonne entgegen

Raus in die Natur

Kaffe: check, Yoga: check. Danach: Hund wecken. Emma schläft meistens bis 11-12 Uhr, so dass ich alles ganz entspannt machen kann, bevor sie sich meldet. So hat sich unsere gemeinsame morgendliche Routine über die Jahre eingespielt. Nach dem Duschen geht es also raus in die Natur. Den Kopf frei machen für den restlichen Tag. Eventuell die ersten Telefonate machen.

Morgendliche Rituale als Basis für den Tag

Es können also sehr einfache Dinge sein, die den Tag besser einleiten als nervig Mitarbeiter oder grimmige Kollegen. Was ist deine morgendliche Routine? Gibt es etwas, das du verbessern möchtest? Oder fällst du einfach aus dem Bett und hoffst, dass du weich landest?

Finde deinen (Yoga)Weg – das Xperience Festival

Find your way, find your way
whether you fumble or stand graceful darlin‘
find your way

Vom Suchen und Finden des Weges

Es hat nun ein paar Tage gedauert, bis ich mich an den Beitrag über das Xperience Festival setzen konnte – oder wollte. Manche Dinge oder Ereignisse wollen erst sacken und wirken und so ganz habe ich noch nicht die richtigen Worte gefunden, um zu beschreiben, was in den fünf Tagen alles passiert ist. Aber etwas begleitet mich seitdem: Zeilen aus den Songtexten von Rising Appalachia. „Find your Way“ ist für mich ein passendes Gefühl zu dem Yogafestival.

Chakra Weg

Das Xperience Festival: worum ging es?

Die Organisatoren beschreiben das Festival als ein Event der Begegnung. Yoga, Musik, Tanz, Movement, Veganismus und Aktivismus bildeten den Rahmen, in dem man verschiedene Kurse, Workshops und Vorträge besuchen konnte. Mit dabei waren Stars, Sternchen und solche, die es gern sein wollen. Und solche, die bereits namenhafte Teacher aus der Yogaszene sind, aber so bodenständig leben, dass man während des veganen Caterings am zweiten Tag schon Umarmungen austauscht.

Es war ein Festival der Vielfalt: auf der einen Seite liebevoll, spirituell und harmonisch, auf der anderen Seite gab es sie auch hier, die Vergleiche und das störrische Gefühl, dass vielleicht etwas viel Einhornglitzer an manchen Ecken rieselt. Schon beim Betreten des Geländes bemerke ich bekannte Blicke, denen generell in der Yogaszene oft begegne: erstmal die Mala checken, die um den Hals des anderen hängt. Leggings oder Haremshose? Tattoos oder Klebebindi? PET-freie Plastikflasche oder Glasflasche für 34.99€, in der das Wasser energetisiert bleibt? Es dauert keine zwei Minuten, schon habe ich kurz das Gefühl, doch einen ganz normalen Alltag zu erleben. Es wird verglichen und begutachtet. Alle scheinen noch etwas unsicher auf den eigenen Füßen zu sein. Wer bin ich auf diesem Festival? Was ist mein Platz?

Liebe schenken – oder der schmale Grat, authentisch zu sein

Vielleicht lag es daran, dass auch ich erstmal ankommen musste. Doch die erste Stunde, die ich mit rund 300 anderen Gästen besucht habe, brachte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn die Yogaszene ist auch eine Marketing-Szene. Liebe und vor allem Selbstliebe werden quasi verkauft, verschenkt und mit einem Räucherstäbchen besiegelt. Dass Yoga mittlerweile viele Stile entwickelt hat, finde ich großartig. Es gibt mehr als nur dogmatisch unterrichteten Yogaunterricht, klassisch und gradlinig, sondern jede*r Lehrer*in bringt den ganz eigenen Stil mit in die Stunde. Wenn ich mich aber circa 20 Minuten ausschütteln soll, um mich zu lockern, kommt bei mir nicht das richtige Gefühl auf. „Iccchhhh lockere mich“… dabei fällt mir auf, dass man bitte keine Konsonanten langziehen soll. Am Ende der 90 Minuten fühle ich mich ein bisschen ich weiß nicht wie. Ich schaue mich um und merke, dass es nicht nur mir so geht –  aber viele sind ganz gerührt und umarmen sich. Bin ich altmodisch? Steh ich nicht auf „Liebe verschenken“ und sich mal richtig „abschütteln“? Was da los?

Xperience WildYoga Kopfstand

Xperience bedeutet „Erfahrung“

Es wäre nicht fair, das Yogafestival nun an diesem Erlebnis zu bemessen. Und auch völlig einseitig. Denn das Xperience steht für Vielfalt und Austausch. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Erfahrung“, „Erlebnis“, „Praxis“ und „Routine“. Also das, was Yoga beinhaltet. Die Erfahrung vom Selbst und von anderen, von dem, was in einem geschieht, wenn man sich ein wenig für neues öffnet. Doch damit dieses neue bei mir ankommt, ist es für mich immer wichtig, dass die Menschen authentisch sind. Dieses Wort wirkt schon abgegriffen, völlig verbraucht. „Authentisch“. Dann begegnet man Yogalehrern wie Petros Haffenrichter und plötzlich fällt einem wieder ein, was man mal damit verbunden hat, wenn man sagt, dass jemand authentisch sei. Petros Haffenrichter unterrichtet Jiva Mukti. Für mich sind die JivaMuktis ein bisschen wie die Rockstars in der Yogaszene. Unverfälscht und ungeschönt. In der ersten Yogastunde bei Petros fließt der Schweiß und ich habe mehr als einmal das Bedürfnis, aufzugeben. Raus aus dem Hüftöffner, denn meine Muskeln beginnen zu brennen. Es wird ungemütlich. In mir. Und ich merke, dass sich dabei das authentische öffnet: da ist kein Platz mehr für Glitzer oder lange Konsonanten. Es wird pur und erfahrbar. Dabei ist es zwar einerseits die körperliche Anstrengung, die mich herausfordert, aber es ist noch mehr. Petros sagt, dass Yoga mehr sei als „ein Yogaschleifchen auf den Kopf setzen und Räucherstäbchen anzünden“. Und während ich da atme und schwitze, mache ich eine Erfahrung von mir selbst, die neu ist. Ich ärgere mich nicht mehr über „verschenkte Liebe“ oder das Schütteln von der vorherigen Yogastunde, sondern bin im Moment und begreife mich ein Stückchen mehr.

Bine Qi Gong Jang Ho Kim

Qi Gong ist was für Alte…?

Das tolle an einem Yogafestival ist das große Angebot. Man hatte die Qual der Wahl: AcroYoga oder Qi Gong? Meine erste Wahl fiel auf AcroYoga. Wir waren zu zweit auf dem Festival und auch meine Begleitung hatte Lust auf AcroYoga. Trotzdem entschieden wir uns für Qi Gong, da ich mir sicher war, es privat vermutlich niemals auszuprobieren. Und diese Entscheidung war bahnbrechend. Ich dachte vorher immer, dass Qi Gong etwas für Alte sei, die sich nicht mehr richtig bewegen können. Jang-Ho Kim leitete den Workshop und während ich da so floss und das Qi gleiten ließ, passierte es wieder: der Moment war ganz da, ich fühlte mich richtig und genoß die Langsamkeit in den Bewegungen. Eye-opening! Sich zu trauen, einfach mal die eigene Energie zu spüren, ohne viel Geschwurbel drumherum und ohne viel Esoterik. Stattdessen mit einer Priese Humor. Jang-Ho Kim slamt durch die Stunde, manche müssen vor Rührung weinen, andere lachen. Jeder sieht tänzerisch aus und ich mag es, wenn Menschen vergessen, wie sie sich bewegen sollten und neues ausprobieren. Es fließen lassen. In mir selbst spüre ich eine Ruhe, ein bisschen wie Ankommen. Aus der Stunde nehme ich vor allem ein bisschen mehr von mir mit. Ein weiterer Wegweiser Richtung „meinen Weg„.

Der Marktplatz: ein Ort der Begegnung

Wie in jeder Stadt gibt es auch auf dem Xperience Yogafestival einen Marktplatz. Besser gesagt: eine Marktwiese mit Apfelbäumen. Wir verbringen jeden Tag unsere Pausen hier, schnacken mit Standbesitzer*innen und sprechen darüber, was Spiritualität bedeutet, ob wir Religion brauchen oder nicht und dass wir an unserem Lieblingsstand wie jeden Tag die Kleiderstange mit dem Schild „Sale“durchschauen wollen. Es stellt sich eine Vertrautheit ein, ein Mikrokosmos. Ich persönlich steh extrem auf das kleine Zelt, in dem selbsthergestellte Öltinkturen angeboten werden. Der Verkäufer spielt mit einer Feder im Haar auf einer Flöte. Klingt klischeehaft? Ist es eigentlich gar nicht. Sondern sehr echt. Wie das Zelt mit dem Räucherwerk und den handgesammelten getrockneten Kräutern. Während ich das schreibe merke ich, dass ich es vermisse. Ich stelle mir vor, so würde der Wochenmarkt aussehen und überlege, wie ich „meinen Weg“ dorthin wohl finde. In dieses leicht verzauberte, trotzdem reale. Wo Menschen wie Lucie Beyer auf einen zukommen und man spontan doch ein wenig AcroYoga macht.

AcroYoga mit Lucie Beyer

Auf dem Marktplatz treffe ich außerdem endlich Daniela Singhal. Wir haben uns vorher schon einige Zeit virtuell ausgetauscht, es aber bis dahin noch nicht geschafft, uns zu treffen. Ein bisschen in Eile treffen wir sie mit Artemis. Sie werden gemeinsam einen Workshop zum Thema „Menstruation und der Mondzyklus“ geben. Ich ärgere mich, nicht genug Zeit zu haben, ein wenig zu schüchtern zu sein und ein bisschen was auch immer. Denn ich glaube, dass diese Frau sehr inspirierend ist und ich bin gern mit Menschen zusammen, die authentisch inspirierend sind. Außerdem interessiert mich das Thema. Ich nehme mir vor, sie mal zu besuchen. Eine Begegnung auf meinem Weg.

Musik zwischen Loopstation, Beatbox, Mantras und Folk

Die einen heizen mit Beats das Zelt auf, die wir noch später bis in unsere Pension hören werden. Die anderen überziehen eine Stunde, ein bisschen wie im Rausch – entweder im Rausch der Mantras, die sie gesungen haben oder im Rausch des Applauses.

Imponiert haben mir Rising Appalachia. Sie sind Musikerinnen und Aktivistinnen, sie waren bei den Protesten um Standing Rock dabei und reisen nachhaltig. Ihr Backstage-Catering ist ganz im Sinne von „slow music movement“ aus regionalen Angeboten hergestellt.

“It’s our effort to take the glitz and glam out of the music industry and bring performance back to its roots- that of public service. A service where musicians are not just part of fast-paced entertainment world, but instead influence the cultural shift as troubadours, activists, story tellers, and catalysts of justice.”

Spontan holen sie jemanden mit Flöte auf die Bühne. Sie jammen spontan zusammen. Er, der mit den Gesichtstattoos und die Schwestern mit ihrer Band.

Anwendbare Spiritualität

Es gibt die einen, die Konsonanten lang ziehen und die anderen, die dir einen knallharten Realitätscheck liefern. Ich persönlich mag das pure lieber. Bedingungslos. Denn das empfinde ich als Liebe. Ungeschönt und echt. Und aus dieser bedingungslosen Liebe entsteht dann auch der Wunsch, Dinge zu verbessern. Ich finde es toll, wenn sich Menschen auf den Weg machen und ihre Spiritualität entdecken. Schade finde ich es, wenn sie sich darin zurückziehen. Im schlimmsten Falle ein „Yogaschleifchen aufsetzen“ und Menschen in einem unterkühlten Zelt in Yogapositionen bringen, bei denen Fortgeschrittene ächzen. Es kommt bei mir nicht an, aber ich halte mich nicht für den Maßstab aller Dinge. Vielmehr glaube ich an Diversität. Und es gibt sicherlich genügend Menschen, die auf „juicy“ Posen stehen. Auf das leicht kitschige. Auf Zuckerguss eben. Ich steh auf Erde auf meinen Möhren. (Und das ist keine Metapher…) – vielleicht macht unser Weg eben auch das aus, was wir nicht wollen. Den Begegnungen, die wir flüchtig machen und weiterziehen. Und denen, die wir als Weggefährten wählen.

Deswegen glaube ich, dass „dein oder mein Weg“ bereits begonnen hat. Wir gehen ihn bereits und müssen uns lediglich immer wieder entscheiden, wie wir gehen wollen. Eine grobe Richtung ist dabei das Gefühl in uns: fühlt es sich richtig an? Fühlen wir uns wohl? Sind wir herausgefordert? Oder unterfordert? Das schwierigste mag dabei manchmal sein, auch für das einzustehen, was wir als gut und richtig empfinden und den nächsten Schritt zu machen. Für die Momente, in denen ich mich vielleicht gelähmt fühle, kenne ich jetzt auf jeden Fall ein wenig Qi Gong, um mich selbst wieder in den Fluss zu bringen.

 

Yoga gegen Panikattacken

Yoga gegen Panikattacken

Es ist ein sonniger Morgen. Alles scheint entspannt. Und aus der Tiefe meiner Eingeweide beginnt es langsam zu klingeln. Mittlerweile ist es anfangs eine Art leises Signal, das unter Umständen zu einer ausgewachsenen Panikattacke werden kann. Seit über 20 Jahren wallen diese Gefühle der Angst, Beklemmung, des Kontrollverlustes und der Befürchtung, nun völlig üü zu sein, hoch. Mit 12 das erste Mal. Damals dachte ich, ich müsste sterben. Heute denke ich es noch immer, weiß es aber besser. Yoga hat mir geholfen, aus meiner Angststörung herauszufinden und Panikattacken zu minimieren und auch durchzustehen.Yoga und Panikattacken

Help, I need somebody! – Panikattacken verstehen

Laut Andreas Stöhle, Psychiater und Leiter der Arbeitsgruppe für Angststörungen der Charité in Berlin, erlebt jeder fünfte Mensch in Deutschland eine Panikattacke. Bei etwa vier Prozent entwickelt sich eine Angststörung. Aber was ist das eigentlich, diese Panikattacke?
Rein wissenschaftlich ist sie ein Fluchtreflex, der uns, als wir noch in den Wald gekackt und dabei eventuell von einem wilden Tier hätten gefressen werden können, geholfen hat, zu überleben. Der Körper wird kampf- und fluchtbereit gemacht (fight or flight), indem der Herzschlag beschleunigt und die Muskeln mit Adrenalin versorgt werden. Die Atmung wird schneller und flacher. Bei einer Panikattacke können dabei noch Übelkeit, Schwindel, Enge in der Brust und weitere Symptome auftreten. Falls du unter Panikattacken leidest, kann es also sein, dass du dabei völlig individuelle Symptome bei dir bemerkst.
Nun ist dieser Fluchtreflex aber in Situationen, die völlig harmlos sind, prinzipiell überflüssig und man hat das Gefühl, sie kommen aus dem Nichts oder aber man kennt genau die Situationen, in denen sie gehäuft auftreten. Frage dich aber zunächst: ist es wirklich die Situation, die die Panik auslöst oder hast du Angst, dass du in dieser Situation eine Attacke bekommst? Gefühle wie Scham verschlimmern meist nur die Situation. Meine letzte Panikattacke hatte ich an einem Bahnhof. Nachdem ich erst versucht hatte, völlig normal zu wirken, merkte ich, dass das alles nur schlimmer macht. Also habe ich mich auf den Boden gesetzt, an einer Stelle, die aus irgendeinem Grund „richtig“ erschien und die Augen geschlossen. Wenn du weißt, was dir während einer akuten Panikattacke gut tut, tue es. Du brauchst dich für nichts zu schämen.

Wenn sich die Seele entlädt

Oftmals ist eine Panikattacke eine Möglichkeit, inneren Druck zu entladen. Das kann ganz akute Ursachen haben (Menschenmassen, akute Überforderung, übersteigerte Angst vor einer akuten Situation) oder aber eine spontane Reaktion auf ein vergangenes Ereignis sein. Wie bei einem Burn-Out ist die Seele überlastet, wir sind es aber gewohnt, dennoch weiter zu machen. Kleine Anzeichen wie Unruhe oder Schlaflosigkeit werden missachtet und schließlich kommt es zu einer Art körperlichen Reaktion auf die seelisch-psychische Überbelastung. Meistens dauert der Zustand einer Panikattacke nur wenige Minuten bis zu einer halben Stunde. Unter Umständen kann aber das Gefühl der Angst noch länger dauern. Ähnlich wie bei einem Erdbeben gibt es erst die große Erschütterung, kleinere Nachbeben und dann das Erholen von diesem Beben. Da die körperlichen Reaktionen zuweilen sehr anstrengend sein können, braucht es ein wenig, um wieder klar zu werden. Denn auch, oder vor allem der Geist spielt bei einer solchen Attacke verrückt: wenn sich der Herzschlag beschleunigt kommen Gedanken wie „Oh nein, jetzt geht eine Panik los…“ oder „Hab ich einen Herzinfarkt?“, auf. Dadurch steigert sich die Unruhe und eine Spirale beginnt, bei der sich körperliche und psychisch-seelische Reaktionen gegenseitig bedingen. Als ich das allererste Mal eine Panikattacke hatte dachte ich vor allem „Ich will, dass es aufhört! Wird es jemals aufhören? Bin ich jetzt verrückt? Was ist das?!“. Das Gefühl, komplett die Kontrolle über den Körper und Verstand zu verlieren, ist beängstigend und zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich hatte danach natürlich Angst, in die Schule zu gehen. Was wäre, wenn ich dort eine Panikattacke kriegen würde? Long story short: ich verbrachte etwa 6 Jahre der Schule damit, keine Panik zu schieben und den Unterricht durchzustehen. „Noch 45 Minuten…noch 30…noch 20….noch 10…“ usw. Und das jede Stunde. Ich machte mein Abi und dachte, dass ich dann endlich entspannen könnte. Das war natürlich nicht so. Stattdessen zog ich mich zurück und mied Menschen. Erst als ich 2012 mit Yoga anfing begriff ich langsam, was sich da abspielte.

Werde Beobachter

Ja, ich habe noch Panikattacken und ja, die sind dann trotzdem noch out of control. Je nach Intensität der Attacke und je nachdem, wo ich mich befinde, stehe ich sie entweder durch, sitze sie ab oder überbrücke mit einer Tablette pflanzlicher oder verschreibungspflichtiger Natur. Doch eines hat sich drastisch verändert: ich kann die Panik nun beobachten. Durch Yoga verstand ich, dass ich nicht Panik bin sondern habe. Und ich kann die Situation mit Abstand betrachten, von außen drauf schauen und ruhig handeln. Anstatt panisch auf die Panik zu reagieren, überlege ich: was würde mich gut tun? Was kann ich jetzt gerade tun? Reicht atmen? Spüre ich den Boden unter meinen Füßen? Kann ich noch klar denken? Kann ich mich entziehen? Wie lange dauert die Situation noch? Wem kann ich bescheid sagen? Brauche ich Nähe? Es ist ein taktisches Vorgehen, das einem die Selbstbestimmtheit trotz Kontrollverlust wiedergibt. Und dann, wenn die Situation überstanden ist und ich mich wieder in Sicherheit fühle, frage ich mich: what the fuck? Woher kam das? Denn Panikattacken sind Signale, das etwas nicht stimmt. Das kann etwas sehr Oberflächliches sein, dass einen triggert, weil man früher unter Panikattacken litt und der Körper lediglich daran erinnert wird, wie er damals reagiert hat, oder aber etwas, das sich momentan ganz und gar nicht richtig anfühlt. Trau dich also, nachzuforschen. Wie Ana. T. Forrest Sagt:

„Never waste a good trigger!“

Triggerpunkte

Auslöser, sogenannte Triggerpunkte, können sehr unterschiedlich sein. Gefühle, Gedanken, Situationen, Gerüche… daher ist es sehr wichtig, dass du für dich auf die Suche gehst. Yoga kann dir dabei helfen, auf dieser Suche ruhig und klar zu bleiben und immer wieder zentriert zu werden. Dein „wahres Selbst“ ist frei von Panik, mit ihm kannst du dich erforschen, ohne Angst haben zu müssen, hinter der nächsten Ecke etwas zu sehen, was dieses Selbst erschüttert. Dieses „wahre Selbst“ würde ich deine tiefe, wilde Natur nennen. Sie ist frei von Sorge, Angst oder gar Panik. Sie ist das, was dich in dir festhält, worauf du vertrauen kannst. Während der Geist schnattert und dich in die schlimmsten Horrorszenarien reinquatscht, ist es deine ruhige, tiefe Natur, die sich das Schauspiel ansieht und dann fragt: was war das? Was stimmt hier nicht?

Yoga gegen Panikattacken

Es kommt nichtmal so sehr darauf an, welchen Yogastil du praktizierst: Yoga gegen Panik ist ein wunderbares Mittel. Du lernst wieder tief zu atmen, so dass dein Körper im Allgemeinen entspannter wird und die flache Atmung wieder verlernt. Yoga hilft dir, wieder Vertrauen zu dir selbst aufzubauen und in Kontakt mit deinen Körper zu kommen. Denn während einer Panikattacke kommt schnell das Gefühl auf „Was macht mein Körper da mit mir?“. Nach nur kurzer Zeit mit Yoga wirst du feststellen, dass du verbundener mit deinem Körper bist, als du denkst, und dass er das tiefe Bedürfnis hat, mit dir und nicht gegen dich zu arbeiten. Dein Körper möchte, dass es dir gut geht. Geh nicht so hart mit ihm ins Gericht, wenn er während einer Panik nicht so recht weiß, was er da tut. Eine fließende Praxis hat mir geholfen, durch eine Panik zu fließen. Es fühlt sich dann mehr an, als würde man surfen. Und jede Welle ist einmal vorbei. Danach kannst du durchatmen. Kämpfe nicht gegen diese Welle an, sondern werde weich und lass sie fließen. Du erschöpfst dich nur, wenn du versuchst, gegen diesen Strom zu schwimmen.

Das Gefühl von Enge ist außerdem ein Punkt, an dem Yoga gegen Panikattacken ansetzen kann. Eine regelmäßige Praxis hilft dir, die Ursachen für die Panikattacken zu erforschen, während du bestimmte Asanas in akuten Situationen anwenden kannst. Das muss nichts großartiges sein, aber wenn du es schaffst, deinen Brustkorb während einer Panikattacke wieder zu öffnen, bist du einen Schritt weiter, die Kontrolle zurück zu erlangen. Stelle dich in die Baumposition, die Füße fest mit dem Boden verbunden und hebe dein Brustbein. Deine Schulterblätter fallen locker nach hinten unten. Spüre kurz, wie weit sich dein Brustkorb öffnen lässt und dann umarme dich selbst. Greife mit den Armen um dich und gebe dir selbst das Gefühl der Geborgenheit. 

Lerne, die Wellen zu reiten und dich durch eine Panik zu atmen.

Erinnere dich die ganze Zeit daran, dass alles gut ist. Du bist in Sicherheit und dein Körper und Geist spielen nur jetzt gerade verrückt. Es gibt nichts, wofür du dich schämen müsstest.