various fitness machines in modern spacious gym

Ich habe eine Fitnessstudio-Krise!

Lesedauer 4 Minuten

Eigentlich war es einer meiner Happy Places. Dreimal die Woche, über Jahre hinweg. Das Taschepacken war mein kleines Ritual, ich habe es geliebt, im Studio meine Kopfhörer aufzusetzen und zwischen den Sätzen neue Playlists zusammenzustellen. Fitnessstudio-Judith war eine glückliche Judith.

Bis sie es plötzlich nicht mehr war. Seit drei Monaten war ich nicht mehr im Fitnessstudio. Drei Monate! Das ist ein Vierteljahr! Und das, obwohl ich hauptberuflich Bewegung lebe – ich erzähle darüber, schreibe darüber, begleite Menschen dabei, ihre eigene Art der Bewegung zu finden. Man könnte meinen, ich hätte da einen Persilschein.

Habe ich aber nicht. Ich habe eine ausgewachsene Fitnessstudio-Krise. Und bin damit, komischerweise, total entspannt.

Wenn’s innerlich blockiert

Als ich vor einigen Jahren auf dem Land gelebt habe, habe ich mir so sehr ein bezahlbares Fitnessstudio in der Nähe gewünscht.

Ich hatte dieses Bild im Kopf: eine feste Routine, die mir hilft, noch besser für mich zu sorgen. Trainingspläne, verschiedene Geräte, eine Bewegungsvielfalt und, ja, auch diese geilen Wasserzapf-Stationen. Ich weiß, klingt banal. War aber genau das, wovon ich geträumt habe. Denn ich liebe solche Gadgets.

Dann sind wir umgezogen, mehrfach, und irgendwann war es soweit: ein Fitti in erreichbarer Nähe! Geträumt, gemacht. Ich habe mich angemeldet und war fortan dreimal die Woche da. Nicht aus Druck oder Pflichtgefühl, sondern weil es mir schlicht Spaß gemacht hat. Ich liebte es, Übungen anzupassen, wenn meine Endometriose gerade zu heftig war und genauso liebte ich es, richtig Gas zu geben, wenn ich Kraft übrig hatte.

Und trotzdem steckte ich jetzt in einer Krise, die satte drei Monate dauerte. Was hat mir das Fitti so vermiest, dass sich in mir alles blockiert? Das und wie die Geschichte ausging, verrate ich dir heute.

Am Anfang war… kein Wort

Eine Sache ist mir wichtig, bevor ich weitererzähle: Mir ist völlig klar, dass Menschen, die im Fitnessstudio arbeiten, nicht verpflichtet sind, jeden zu mögen. Es geht mir hier also nicht darum, was ich denke, dass Angestellte zu leisten haben (zumal, wenn man an den Mindestlohn denkt… ein anderes Thema für einen anderen Tag).

Mir ging etwas anderes an die Nieren.

Es gab eine Mitarbeiterin im Studio, die mich konsequent ignorierte. Kein Wort, kein „Hallo“. Nur ein Wegdrehen. Anfangs habe ich das einfach übergangen, aber mit der Zeit wurde es richtig unangenehm. Sie unterhielt sich mit einem Kollegen, der sich zu mir drehte und „Hi, hi!“ rief  und sie drehte sich weg oder guckte durch mich hindurch. Grüßte ich sie beim Reinkommen, ging sie weg. Uff.
Auf einem Supermarkt-Parkplatz hätte sie mich dann fast umgefahren! Ich bin mir sicher: es war ein Versehen, aber sie brauste von dannen und ich blieb verdattert zurück.

Das fühlte sich mit der Zeit immer komischer an, weil ich bis heute nicht weiß, was da eigentlich vorgefallen sein soll. Jeder Versuch, auf sie zuzugehen, machte es eher schlimmer, also ließ ich es irgendwann bleiben. Aber ich merkte: Da zieht eine kleine Wolke über meinem Happy Place auf. Noch kein Sturm. Aber die ersten Anzeichen standen am Horizont.

Und dann kam alles auf einmal

Kurz darauf trafen zwei Dinge aufeinander, die meine Krise erst richtig handfest gemacht haben.

Überfüllung. Das nervt vermutlich jeden, der schon mal im Fitnessstudio war: Du bist im Flow, und dann ist weder die Maschine frei, noch die Hanteln, noch irgendeine Alternative und du stehst einfach nur rum. Kennst du das? Genau dieses Gefühl.

Die Hitzewelle. Schwitzen an sich ist für mich überhaupt kein Problem – weder bei mir noch bei anderen. Ich freue mich sogar, wenn ich merke, dass die körpereigene Kühl-Funktion funktioniert. Was für mich aber zum Problem wird: stickige Luft, aus der man nicht rauskommt. Die Hitze verwandelte das Studio in eine Art Käseglocke, in der sich Gerüche und Wärme stauten. Mein Puls ging hoch, mein Herz trommelte Samba, und mein Kreislauf versuchte irgendwie mit der Belastung klarzukommen. Puh. Das war mir einfach zu viel.

Schwindel und Kreislaufprobleme sind ohnehin ein großes Thema bei mir, mental wie körperlich. Keine Möglichkeit, in so einem Moment mal eben zügig aus der Situation rauszukommen – dazu das Studio-Klima, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – und meine Krise war perfekt.

Zuerst ging ich noch ein-, zweimal die Woche und machte den Rest zuhause. Dann wurde mir auch das zu umständlich. Und irgendwann blieb ich ganz zuhause.

Zuhause, mit Apfelschorle

Und das Überraschende: Es fühlte sich total stimmig an. Kettlebells oder Hanteln raus, Musik an oder nebenbei eine Serie laufen lassen, zwischendurch an der Apfelschorle nippen. Das war mein Setup. Keine Wolke am Horizont, kein Käseglocken-Klima, keine Mitarbeiterin, die sich wegdreht. Stattdessen nur ich, mein Arbeitszimmer und mein Tempo.

Denn, und diese Frage bedarf nochmal einen eigenen Blogartikel, kurz gesagt:

Zuhause kannst du genau so gut trainieren wie in einem Fitnessstudio. Du brauchst keine Mitgliedschaft!
Egal, wie gut das Studio ausgestattet ist: Eine Studio-Mitgliedschaft, die du nicht nutzt, ist weniger wert, als jeden zweiten Tag mit deinen Hanteln auf der Couch beim Grey’s Anatomy schauen trainieren.

Für mich war allerdings irgendwann der Moment gekommen (spoiler: heute!), an dem ich meinen Happy Place zurückhaben wollte. Ich wollte wieder eine Tasche packen. Meinen Lieblings Protein Riegel einpacken und ein bisschen auf den Pfaden von Arnold Schwarzenegger und Abbye“Pudgy” Stockton wandeln.

Der Gedanke, das Studio zu wechseln, kam mir schon vor einigen Wochen und immer wieder liebäugelte ich mit einem Angebot einer anderen Kette, konnte mich aber irgendwie nicht überwinden. Bis heute. Ich machte kurzentschlossen ein Probetraining, kündigte meine Mitgliedschaft in meinem alten Studio und schloss einen Vertrag beim anderen ab. C’est la vie!

Denn ob ich jetzt das Geld dem einen Studio gebe und nicht hingehe oder dem anderen und eventuell nicht hingehe, weil’s mir doch nicht gefällt, ist letztendlich egal. Einen Versuch ist es wert!

Mach’s dir schön

Wenn es um Routinen geht, dann ist eines der wichtigsten Dinge: es sollte sich machbar und schön anfühlen. Das heißt nicht, dass es nicht zwischendurch anstrengend, herausfordernd und ohne Motivation sein kann.
Aber wenn du dich nicht gern dort aufhältst, wo du dich bewegst, wird die Hürde, dich mehr zu bewegen, immer größer.

Es ist okay, wenn du Hanteln, Kettlebells, Therabänder und anderen Klimbim zuhause hast UND eine Mitgliedschaft im Studio. Denn die Routine sind nicht die Hanteln und nicht die Mitgliedschaft. Die Routine ist die Bewegung an sich.

Wenn du beim lesen gemerkt hast, dass du dir genau diese Gelassenheit bei deinen Bewegungsroutinen wünschst, dann schau dir meine 1:1 Begleitung an!

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